Antwort auf die Kritik an der DaBhaR-Übersetzung von Dr. von Siebenthal

Im Folgenden wird beispielhaft für kritische Einwände eine  Stellungnahme von Dr. Heinrich von Siebenthal kommentiert. Er hat sich speziell mit der konkordanten Übersetzung nach Baader (DaBhar) beschäftigt. Dr. von Siebenthal ist  Dozent an der staatlich nicht anerkannten Freien Theologischen Akademie (FTA) Gießen, die u.a. die Höllenlehre vertritt.  Sein vollständiger Text findet sich hier. Zitate aus diesem Text sind in grauer Schrift wiederholt:

„[…] Die Zielsetzung der Baaderschen Übersetzung ist sicher zu begrüßen: Der Wortlaut der Heiligen Schrift als des unfehlbaren Gotteswortes soll möglichst genau erfaßt und vermittelt werden. Bewundernswert ist auch der enorme zeitliche und finanzielle Aufwand, der offensichtlich in die Erreichung dieses Zieles investiert worden ist und noch investiert wird. Dennoch ist dieses Werk aus sprach- bzw. übersetzungswissenschaftlicher Sicht eindeutig als negativ zu beurteilen. Baaders Programm muß als Irrweg, seine Übersetzung als nahezu wertlos, ja in einer gewissen Weise auch als theologisch gefährlich bezeichnet werden.“

Hier verwendet von Siebenthal den kleinen rhetorischen Trick, Bewunderung für eine Position vorzugeben, die man mit der nächsten Bemerkung sogleich umso schonungsloser verdammen darf. Von Siebenthal stellt das Urteil in demagogischer Form („theologisch gefährlich, wertlos“) vorweg, um dem Leser gar nicht mehr die Möglichkeit zu geben, objektiv zu urteilen. Eine sachliche Auseinandersetzung ist jetzt schon nicht mehr zu erwarten. Ein Wissenschaftler, der in erster Linie informieren möchte, hätte dagegen zuerst die Fakten und Sichtweisen gegenüber gestellt, zum eigenen Urteilen angeregt und hätte dann erst dann ein eigenes Fazit präsentiert.

„Eine Übersetzung irgendeines Textes von einer Sprache in eine andere darf dann als wirklich gelungen bezeichnet werden, wenn sie genau die Inhalte (nicht mehr und nicht weniger) vermittelt, die der Verfasser des Originals kommunizieren wollte (Erfordernis der Originaltreue), und zwar in einer Weise, die für den Sprecher der Zielsprache (sprachlich) mindestens so gut verständlich ist, wie es das Original für den Sprecher der Ausgangssprache war (Erfordernis der Verständlichkeit/Natürlichkeit). Nun lassen sich zwar im Prinzip in jeder Sprache alle denkbaren Inhalte ausdrücken, so daß bei jeder Übersetzung Originaltreue im Prinzip (!) realisierbar ist. Mehr oder weniger große Unterschiede zwischen den einzelnen Sprachen gibt es hingegen im Bereich der Ausdrucksmittel, der Formen, die beim Vermitteln der Inhalte eingesetzt werden (Laute; Anzahl, Art, Form und Stellung der verwendeten Wörter; der Bau der einzelnen Sätze und die Art, wie diese zu Abschnitten und ganzen Texten verknüpft werden). Soll die Übersetzung bei aller Originaltreue auch verständlich sein, so geht es ohne mehr oder weniger drastische Veränderungen der formalen Struktur des Textes nicht ab. Selbstverständlich wird ein verantwortungsbewußter Übersetzer die Form des Originals nicht willkürlich verändern.“

Genau diese willkürlichen und bewußten Veränderungen sind aber passiert, wie ja diese Seiten an anderer Stelle deutlich aufzeigen. Die Kritik an herkömmliche Übersetzungen bezieht sich nicht auf die freiere Form, sondern darauf, dass die Inhalte bewiesenermaßen in herkömmlichen Bibelübersetzungen an eigene Vorstellungen angepasst wurden (woran man erkennen kann, dass Form- und Inhaltstreue zusammenhängen). Genau deswegen wurde ja auch die konkordante Methode entwickelt. Von Siebenthal hätte nur dann Recht, wenn es Menschen geben würde, die Gottes Gedanken in der Gesamtheit kennen würden und denen bei der Interpretation des Originals keine Fehler passieren könnten. Dies ist aber keinem lebendem Menschen gegeben. Deswegen ist der freie Ansatz der Übersetzung im Fall der Bibel ein Irrweg. Die Richtigkeit des in einer anderen Sprache wiedergegebenen Inhalts hängt bei herkömmlichen Übersetzungen davon ab, ob der Übersetzer den Inhalt des Originals richtig erkannt hat, bzw. richtig erkennen konnte. Eine frei übersetzte Bibel ist immer eine Auslegung, die, da es eben eine menschlich fehlerbehaftete Meinungsäußerung ist, völlig falsch sein kann. Die konkordante Übersetzungstechnik dämmt diese Fehlerquelle ganz wesentlich ein. Von Siebenthal behandelt hier also gar nicht das Problem und müht sich gar nicht darum, die Intention zu verstehen und zu behandeln, die zur konkordanten Übersetzungstechnik geführt hat. Im Übrigen hat auch nicht Baader diese Methode entwickelt, auch andere haben sie mit unterschiedlichem Ergebnis schon vor ihm angewendet. Möglicherweise wusste Dr. von Siebenthal dies nicht. Eine Trennung der Kritik an der Methode und an einer einzelnen Ausprägung hätte ebenfalls zur Versachlichung beigetragen.

„Beherrschende Prinzipien sind stets die Erfordernisse der Originaltreue und der Verständlichkeit. Je nach Zielgruppe kann dabei die Umstrukturierung auch unterschiedlich stark ausfallen. Z.B. wird sich eine Übersetzung (etwa des [altmesopotamischen] Gilgamesch-Epos, der [altgriechischen] homerischen Epen oder der Werke eines Dante, Shakespeare oder Molière), die den Bedürfnissen eines Literaturwissenschaftlers gerecht werden möchte, zweifellos stärker an die Form des Originals anlehnen als eine, die für Nichtspezialisten bestimmt ist.“

Die gesamte Ausarbeitung von Dr. von Siebenthal krankt an der Prämisse, dass die Bibel genau so übersetzt werden müsse wie ein Roman, ein rein menschliches Werk mit oft ungenauem Sprachgebrauch. Die Bibel ist doch aber ein davon abweichendes Buch, das auch eine besondere Behandlung verdient. Zudem verkürzt von Siebenthal den konkordanten Übersetzungsansatz auf eine starke Formtreue. Bei konkordanten Übersetzungen geht es aber im Kern darum, gleiche Begriffe im Original nach Möglichkeit mit dem gleichen Begriff in der Zielsprache zu übersetzen, um die übliche Willkür einzuschränken. Es gibt konkordante Übersetzungen, die sich nicht so stark der Formtreue verpflichtet fühlen wie die DaBhar (z.B. das KNT) und wesentlich eingängiger zu lesen sind. Baader versucht dagegen ganz bewußt so formtreu zu übersetzen, dass von einer Kunstsprache geredet werden kann, an die man sich erst gewöhnen muss. Er steht aber auf dem Standpunkt, dass sich das lohnt. Sicherlich ist diese recht extreme Art der konkordanten Übersetzung auch nicht für Einsteiger im Glauben geeignet.

„Diese allgemeinen Übersetzungsgrundsätze gelten prinzipiell gleichermaßen auch für den Umgang mit der Bibel. Wer Bibeltexte übersetzen will, muß die formale Struktur des biblischen Grundtextes – im Interesse von Originaltreue und Verständlichkeit – genauso verändern, wie dies ein Übersetzer außerbiblischer Texte tut. Dies hängt u.a. damit zusammen, daß die Grundsprachen der Bibel, Hebräisch, Aramäisch und Griechisch, im Prinzip ganz normale menschliche Sprachen sind (sie wurden auch für profane Zwecke verwendet). Gott hat sie zwar gewissermaßen »erwählt« und sich ihrer bedient, um sich uns Menschen zu offenbaren. Doch dadurch wurde ihr Sprachcharakter nicht verändert; sie funktionierten grundsätzlich exakt wie jede andere Sprache und erfordern daher auch denselben methodischen Umgang.“

Was Dr. von Siebenthal hier als gegeben ansieht, ist nicht der Fall. Natürlich entstammen die Grundsprachen der Bibel in der Grammatik und Semantik menschlichen Sprachen, dennoch ist die Bibel nicht wie jedes andere Buch der Welt entstanden, sondern sie nimmt eine herausragende, einzigartige Position ein. Hier war Gott selbst am Werk, »Alle Schrift ist gottgehaucht (2. Tim. 3,16)«. Wer überzeugt wurde, dass die uns persönlich ansprechenden Worte Jahwes reine sind, dass sie „Ausgeschmolzenes“, also Schlackenfreies darstellen und siebenfach gefiltert sind (Psalm 12,7), wird nicht mehr davon ausgehen, dass die Sprache genau so verwendet wurde wie in jedem anderen Buch und die Methoden der Übersetzung die dort richtig sein mögen, es auch im Fall der Bibel sind und daher „allgemeine Übersetzungsgrundsätze“ auch hier ohne Weiteres angewendet werden müssen und andere nicht in Frage kommen.

Wer Baaders Übersetzung anhand des Originals oder auch anhand einer herkömmlichen Übersetzung durchgeht, wird bald merken, welchem grundsätzlichen Irrtum er verfallen ist: Er glaubt offenbar, Originaltreue sei nur durch möglichst große Formtreue gegeben. Um diese zu erreichen, setzt er eine extrem konkordante Übersetzungstechnik ein, die grundsätzlich jedes Wort des Originals durch ein einziges Wort der Zielsprache wiedergeben möchte. Da dies wegen der oben erwähnten vielfältigen Strukturunterschiede zwischen allen Einzelsprachen der Welt sowie der äußerst verbreiteten Mehrdeutigkeit sprachlicher Ausdrucksmittel auf allen Sprachebenen (Laut, Wort, Satz, Text) naturgemäß niemals gelingen kann, …“

Es ist eine reine Annahme, dass die Begriffe der Bibel so mehrdeutig sind, dass die konkordante Übersetzungsmethode keinen Sinn mehr macht. Das mag für weltliche Bücher der Fall sein. Baader und andere haben doch gezeigt, dass dem im Fall der Bibel nicht so ist. Die Beweise in Form der Übersetzungen liegt ja vor und objektive Fehler (damit sind nicht Widersprüche zu alten Kirchendogmen gemeint!) aufgrund dieser Übersetzungstechnik konnte Dr. von Siebenthal nicht präsentieren. Fehler in herkömmlichen Übersetzungen, die auch den Inhalt grob entstellen, sind aber zuhauf festzustellen. Richtig ist zwar, dass insbesondere die DaBhar-Übersetzung eine sehr rohe Übersetzung ist, die dem Leser viel Denkarbeit aufbürdet. Baader steht aber auf dem Standpunkt, dass ernsthaften Christen diese Denkarbeit über Gottes Wort mehr Gewinn beschert als eine eingängige, aber inhaltlich falsche Übersetzung.

„… versucht er dies dann aber dadurch zu erzwingen, daß er Grammatik und Wortschatz der Zielsprache, sprich in unserem Fall Deutsch, seinen Vorstellungen gemäß verändert. Ergebnis: formal ist er zwar in gewisser Weise ziemlich nahe beim Original geblieben – dies jedoch auf Kosten nicht nur der Verständlichkeit, sondern auch der Originaltreue im einzig legitimen Sinne von optimaler inhaltlicher Übereinstimmung zwischen Übersetzung und Original.“

Die Frage ist doch hier, wie beurteilt wird, was inhaltlich optimal übereinstimmt, also originalgetreu ist. Richtig ist (und nur das meint von Siebenthal), dass die Inhalte der traditionellen Übersetzungen mit einer objektiveren Übersetzungsmethode in Frage gestellt werden. Der wissenschaftliche Ansatz kann doch aber nicht sein, eine Übersetzungsmethode daran zu messen, ob das Ergebnis zu den Kirchendogmen passt, die zu den herkömmlichen Übersetzungen geführt haben. Ein derartiges Kriterium ist aus wissenschaftlicher Sicht untauglich und konnte nur zu dem Ergebnis führen, zu dem von Siebenthal kommen wollte.  Von Siebenthal schließt in seinen Annahmen schlicht und einfach aus, dass herkömmliche „theologische“ Theorien an der einen oder anderen Stelle nicht biblischen Ursprungs sind, was mit einem wissenschaftlichen Übersetzungsansatz nun ans Tageslicht kommt.

„Inhaltlich Verfälschendes läßt sich bei Baaders Ansatz auf verschiedenen Ebenen der Sprache feststellen:

Wortbedeutungsebene: Das Bemühen einerseits um konkordante Wiedergabe (s.o.) und andererseits um etymologische Genauigkeit verführt ihn dazu, nicht nur – wie erwähnt – völlig undeutsch zu übersetzen (z.B. »salbhütten« für »salben« in Ruth 3,3), sondern das Bedeutungsgepräge mancher Grundtextwörter durch inhaltliche Verkürzung (z.B. »äonisch« [lediglich einen »Äon« dauernd] statt [wie es sprachwissenschaftlich eindeutig ist] »ewig« z.B. in 2. Petrus 1,11 und Hebräer 6,2) „

Was von Siebenthal hier unter sprachwissenschaftlicher Eindeutigkeit verstanden wissen will, ist reine theologische Auslegung. Gerade die willkürliche und fallweise Auslegung des griechischen Wortes „aionion“ mit „ewig“ statt „äonisch“ verstellt doch den Inhalt des Textes. Das äonische Königreich in 2. Petrus 1,11 ist ebenso zeitlich begrenzt (es ist zukünftig und hat ein Ende), wie das äonische Urteil (während der gleichen Zeit) in Hebräer 6,2. Die Meinung, dass dort statt dem Begriff des Grundtextes einfach ein anderer verwendet werden könne, entspringt speziellen theologischen Vorstellungen. Es hat aber hat keineswegs irgendetwas mit „Sprachwissenschaft“ zu tun, wenn vorgefasste Meinungen das Kriterium für die Qualtität einer Übersetzung sind, wie von Siebenthal es hier darstellt. Anders gesagt: Man kann eine Übersetzung nicht daran messen, ob sie mit einem Dogmensystem übereinstimmt, das Maßstab für die freie Übersetzungen war, mit der verglichen wird.

„…oder Entstellung (z.B. das erwähnte »Herabwurf des Kosmos« von Epheser 1,4, das im deutschen eine negative Nuance [die des Zerstörens] bekommt) zu verändern.“

Richtig ist, dass der biblische Sprachgebrauch nicht immer den menschlichen Empfindungen entspricht. Das kann aber kein Kriterium für eine richtige Bibelübersetzung sein. Das gleiche „Herabwurf“ (Niederwurf) wird auch in Heb. 11,11 benutzt, als es um den Geburtsvorgang bei Sara geht (im Sinn von Niederkunft). Damit ist lediglich ein dynamischer Vorgang gemeint. Wir müssen unsere Vorstellungen dem biblischen Sprachgebrauch anpassen.

Wortformenebene: Hebräische Wortformen, die eindeutig einen Wunsch bzw. einen indirekten Befehl ausdrücken, übersetzt Baader als Gegenwart, offenbar weil sie äußerlich z.T. bestimmten Formen ähnlichen sehen, die häufig die Gegenwart bezeichnen (so steht in 1. Mose 1,3 »Es wird Licht« statt »Es werde Licht«).

Satzbauebene: Ein Beispiel für eine Entstellung (Ruth 2,10): »Weshalb ‚finde ich Gnade in deinen Augen mich zu kennen ‚… « statt »… daß du (!) mich kennst (= dich um mich kümmerst) …«.

Keine Übersetzung wird in jedem Detail Zustimmung von allen Fachleuten finden. Baader behauptet auch gar nicht, dass die DaBhar fehlerfrei ist. Es geht aber darum, dass aufgrund des konkordanten Übersetzungsprinzips nicht mehr willkürlich und angepasst an vorher festgelegte Dogmen „übersetzt“ werden kann.

„Diese Übersetzung verkürzt und entstellt auf Schritt und Tritt.“

 Nein, sie löst die Verkrustung von jahrhunderte alten historisch aus anderen Religionen, Kulten und Philosophien enstandenen, „theologisch“ verstellten Übersetzungen. Umgekehrt ist es also richtig: Sie rückt entstellte, traditionelle Bibelübersetzungen wieder zurecht und lässt den Text für sich wieder neu strahlen.

„Dies eine kleine Auswahl von fast endlos vielen Beispielen, die zeigen, daß diese Übersetzung weder originalgetreu (sie verkürzt und entstellt auf Schritt und Tritt) noch verständlich ist (sie benutzt eine vom Übersetzer selbst erschaffene Kunstsprache). Theologisch in einem gewissen Sinne gefährlich ist sie insofern, als sie immer wieder im Grundtext eindeutige Aussagen durch die verkürzende Behandlung mancher Wort- und Satzinhalte mehrdeutig bzw. vage macht (z.B. das »ewige« wird zu einem »äonischen« [zeitlich begrenzten] Gericht) …“

Mit dieser Aussage entlarvt sich von Siebenthal geradezu. Gerade die übliche „Übersetzungstechnik“ lässt doch Begriffe mehrdeutig und vage werden. Luther übersetzte „aion“ 37mal mit „Welt“. 75mal benutzte er „Ewigkeit“/“ewig“/“ewiglich“, jeweils 1mal „Lauf“, „vorzeiten“ und „Zeit“. Das ist doch vage und mehrdeutig! Diese von der Religion gewollte Mehrdeutigkeit (die sogar dann in Wörterbüchern dokumentiert wurde), schafft nun die Möglichkeit, den Grundtext so zu deuten, wie es dem Übersetzer gerade gefällt. So werden äonische Gerichte Gottes kurzerhand zu einer unaufhörichen, sinnlosen Quälerei eines unbarmherzigen Gottes umgedeutet, statt zumindest auf die Möglichkeit hinzuweisen, dass hier aufgrund der selbst erfundenen Mehrdeutigkeit ebenso gut ein zeitlich begrenztes Ausrichten auf Gott gemeint sein könnte. Verschwiegen wird auch, dass nur das auch in den Kontext der Bibel paßt, der von Gerichten gemäß der Werke spricht (Mt. 16,27; Rö. 2,6; 2. Tim. 4,14; Of. 20,12 usw.). Ein unendlich langes Quälen wäre dagegen nicht verhältnismäßig. Somit steht die Irrlehre der „ewigen“ Verdammnis auf den tönernen Füßen einer äußerst fragwürdigen, willkürlichen Bibelauslegung, die unter dem Deckmantel „Bibelübersetzung“ unter die Menschen gebracht wird.

Was von Siebenthal nicht gefällt, sind die Aussagen, die eine gute Übersetzung macht. Sie gefallen ihm theologisch nicht und müssen daher seiner Meinung nach falsch sein. Wissenschaftlich hat Herr von Siebenthal hier nicht gearbeitet.

Der einzige Weg der Bibelübersetzung kann nur sein, sich von vorgefassten Kirchendogmen und der vielen Einflüssen unterliegenden, oft nicht mehr logischen Entwicklung einer Sprache frei zu machen. Der Begriffsinhalt eines Grundtextwortes muss in der Bibel selbst gesucht werden. Dies ist sogar eine Forderung der Reformation: Luther fasste dies mit „sola scripura“ zusammen: Die Bibel soll sich selbst auslegen! Die konkordanten Übersetzungen machen sich dieses Prinzip zu eigen und führen es konsequent weiter. Möglicherweise hätte Luther an einer konkordanten Übersetzung seine Freue gehabt. Die Prämisse, die zu dieser wirklich wissenschaftlichen Übersetzungtechnik geführt hat, lautet: Die Verwendung von Sprache in der Bibel ist wesentlich exakter und logischer als im Alltag. Das Sammelsurium von Entsprechungen in Wörterbüchern, die auch nur für einen bestimmten Zeitpunkt aktuell sind, kann daher kein Maßstab sein. Der Begriffsinhalt eines Grundtextwortes kann dann erst als gefunden und biblisch legitimiert gelten, wenn die deutsche Übersetzung an allen Stellen in die Logik des jeweiligen Satzes des Grundtextes paßt. Zweite Bedingung ist, dass die deutsche Übersetzung des Wortes nicht bereits für ein anderes Grundtextwort (mit anderer Wortwurzel) verwendet ist.

„ […] und damit eigenwilligen (fremde Inhalte in den Text hineinlegenden) Deutungen Tür und Tor öffnet, gleichzeitig aber beansprucht, den Leser auf diese Weise am nächsten an das Original heranzuführen.“

Diese Antwort auf die Streitschrift von Herrn von Siebenthal sollte belegt haben, dass gerade mit der freien Übersetzungstechnik fremde Inhalte in die Bibel problemlos hinein gelegt werden konnten und hineingelegt wurden. Welche Übersetzungsmethode bietet mehr Interpretationsspielraum, eine konkordante oder eine freie Übersetzung? Eigenwillige Deutungen werden doch gerade durch die herkömmliche Übersetzung ermöglicht, die eine mehr oder weniger starke subjektive Auslegung ist. Es ist also objektiv und wissenschaftlich gesehen genau anders herum, als es von Siebenthal darstellen möchte.

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