Markus 10:30 – Das äonische Leben

Konkordantes NT (KNT) Revidierte Elberfelder Elberfelder
1905
Luther
1912
Schlachter
… und im kommenden Äon äonisches Leben. … und in dem kommenden Zeitalter[A] ewiges Leben. A) griech. Äon … und in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben. … und in der zukünftigen Welt das ewige Leben. … und in der zukünftigen Weltzeit ewiges Leben.

Äon

Aion ist halbwegs akzeptabel übersetzt: Die Revidierte Elberfelder lässt wenigstens noch in der Fußnote erkennen, dass hier von einem Äon die Rede ist. Warum übersetzt man nicht im Haupttext so?

Aion wird stattdessen mit Zeitalter übersetzt, was zwar nicht falsch ist, aber den Nachteil hat, den Zusammenhang zum Adjektiv aionion (äonisch) nicht transparent werden zu lassen. Luther übersetzt mit „Welt“ (missverständlich, da auch kosmos mit Welt übersetzt wird) und Schlachter mit „Weltzeit“, was den Sinn besser trifft als „Zeitalter“, da der sehr lange Zeitraum deutlich wird.

Äonisch

Regelrecht verzerrend ist dagegen die Übersetzung von aionion (äonisch) mit „ewig“.

Gerade an dieser Stelle wird besonders deutlich, dass das Adjektiv „aionion“ (äonisch) logischerweise direkt mit dem zeitlich begrenzten Äon zusammenhängt, also ebenfalls zeitlich ist. Dennoch wird in allen Übersetzungen außer dem KNT theologisch mit „ewig“ interpretiert und nicht exakt übersetzt. Denn eine Weltzeit bzw. ein Zeitalter hat ein Anfang und Ende. Ein Leben, dass sich darauf bezieht, ist selbstverständlich auch zeitlich, also vergänglich mit Anfang und Ende. Es kann ja auch nicht sein, dass das Adjektiv aionion eine völlig andere Bedeutung als das Substantiv aion hat!

Äonisches Leben

Äonisches Leben bezeichnet das Leben während bestimmter Äonen – des Millenniums und der neuen Erde (für die aus Israel) bzw. in den Himmeln (für die aus den Nationen). Es ist eine gleichwertige Gabe für bestimmte von Gott erwählte Menschen (die Gläubigen), die währenddessen Aufgaben im Heilsplan Gottes ausführen. Das äonische Leben wird nach diesen Äonen beendet sein. Die Menschen, die das äonische Leben nicht erhalten, leben während dieser Zeit nicht. Sie sind damit zwar vordergründig bestraft, landen aber keinesfalls in einer Hölle oder sind dauerhaft tot, wie die Alternative oft ausgemalt wird. Auserwählt wird also zum äonischen Leben und nicht zur Rettung. Die Irrlehre der Prädestination nach Calvin, die einerseits von der Auswahl zur Rettung und damit logischerweise andererseits zur Hölle (die einer anderen Irrlehre entspringt) ausgeht, basiert somit auf dem, auch wegen unrichtiger Übersetzungen, nicht erkannten Unterschied zwischen äonischem Leben (das nur einer Auswahl gilt) und Aussöhnung/Rettung (die alle Menschen erfahren werden).

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