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Aion, olam = Ewigkeit?






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aion

Das griechische Wort aion
Auszug aus „Theologsiches Begriffslexikon zum Neuen Testament, Studienausgabe Band 2, Theologischer Verlag R. Brockhaus Wuppertal, 1977, Seite 1457 ff.

aion bedeutet Äon, Lebenszeit, Weltzeit, lange Zeit, Ewigkeit

Das griech. Wort aion unterscheidet sich von seinen indogerm. Parallelen (lat. aevum, deutsch ewig) dadurch, dass es nicht so sehr von einer abstrakten Zeitdauer, sondern von einer gelebten Zeit her gedacht ist…

Dass aion in der LXX (= Septuaginta, das ist die älteste griech. Übersetzung des AT, die im 3. Jh. v. Chr. auf der Insel Pharos 72 Schriftgelehrte herstellten, Anm. des Webmasters) in über 450 Belegen, davon über 100 in den Psalmen, zum Äquivalent für das hebr. olam=Dauer, Ewigkeit, wurde, liegt an der Ausgangsbedeutung Lebenszeit.

In allen Fällen ist ein auf das ganze Leben ausgedehntes, aber auch auf dieses beschränktes Geschehen gemeint, auch dann, wenn es sich um Verheißung lebenslanges Königtums (1. Sam 13,13), um Vertrauen des Volkes zu Mose, solange er lebt (Ex. 19,9), oder um lebenslängliches Vasallenverhältnis (1. Sam 27,12) handelt. Ganz selbstverständlich hört all dies mit dem Tode dessen auf, von dem es gesagt wird.

Das gilt natürlich auch dann, wenn solche Aussagen nicht von einem Einzelmenschen, sondern von Generationen (Ex 40,15; 32,13 u.a.) oder dem ganzen Volk gemacht werden (Jos 4,7; Ri 2,1). Mit dem Untergang dieser Größen ist auch die hier gemeinte Zeit beendet…

An dieser Stelle ergibt sich die einfachste der denkbaren Erklärungsmöglichkeiten für die sog. Ewigkeitsformeln: „Gelobt sei Jahwe, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (1Chr 16,36 u.a.). Israel wird zu stetigem Dank und Lob aufgerufen; die Dauer des Lobes ist also gebunden an die Dauer des Volkes in seinen Generationen. Und tatsächlich stehen in V.15 auch „ewig“ und „auf tausend Geschlechter“ im Parallelismus. So erhält die Formel „von Ewigkeit zu Ewigkeit “ ihren wahren Sinn zurück, da es auch in ihr nicht um eine abstrakt und unendlich gedachte Ewigkeit an sich, sondern um das lebendig lobende Gegenüber zu Gott geht. Zeigt doch 1Sam 2,30 mmit 3,13f. deutlich genug, das Gottes ewige Zusagen nie eine abstrakte Unwandelbarkeit, sondern eine gegenseitige Zugehörigkeit mit dem Menschen zum Inhalt haben: Solange sie intakt ist, ist sie ewig, sie kann nicht zerbrechen.

Auch die großen Verheißungen, die für ewig gesetzt sind, sind nicht einfach zeitlos und unverrückbar gültig, sondern bleiben an den lebendigen Bezug zum lebendigen Gott gebunden (1.Kö 9: Ewigkeit des Tempels an Gottes lebendige Anwesenheit gebunden; 2.Sam 7: die Ewigkeit des Königtums).

Im NT findet sich das Substantiv aion in folgenden Bedeutungen:

a) lange Zeit, Zeitdauer

b) Weltzeit, Weltdauer (z.B. Mt 13,39; 28,20) Auch die Weltgeschichte, Ablauf des Weltgeschehens, auch im Plural als Reihe aufeinanderfolgender Äonen (Hebr 9,26; 1Kor 10,11 u.a.).

Zuweilen liegt die Bedeutung Welt im räumlichen Sinn vor.

Überschaut man den Gebrauch des Wortes aion, Äon, und die damit verbundene Eschatologie, so kann man feststellen, dass das NT von der Ewigkeit in den Kategorien der Zeit spricht.

Der Ausdruck „zukünftiger Äon“ wid nur mit größter Zurückhaltung gebraucht. Das Kommende ist nur relevant im Blick auf die jeweilige Gegenwart. Bewusste Zurückhaltung vor Geschehnissen, die zu wissen verwehrt ist (1Thess 5,1ff; Mt 24,37ff); keine Spekulationen über den Zustand und den Zeitpunkt des kommenden Äon.

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Römer 16:25-27 – ewige Zeit?

Konkordantes NT (KNT)(Dünndruck=Zusatz) Revidierte Elberfelder Elberfelder1905 Luther1912 Schlachter
Ihm aber, der euch festigen kann gemäß meinem Evangelium Dem aber, der euch zu stärken vermag nach meinem Evangelium Dem aber, der euch zu befestigen vermag nach meinem Evangelium Dem aber, der euch stärken kann laut meines Evangeliums Dem aber, der euch stärken kann laut meines Evangeliums
und der Heroldsbotschaft von Christus Jesus, gemäß der Enthüllung eines Geheimnisses, und der Predigt von Jesus Christus, nach der Offenbarung des Geheimnisses, und der Predigt von Jesu Christo, nach der Offenbarung des Geheimnisses, und der Predigt von Jesu Christo, durch welche das Geheimnis offenbart ist, und der Predigt von Jesus Christus, gemäß der Offenbarung des Geheimnisses,
das in äonischen Zeiten verschwiegen war, nun aber offenbar wurde und durch prophetische Schriften das ewige Zeiten hindurch verschwiegen war jetzt aber offenbart und durch prophetische Schriften das in den Zeiten der Zeitalter verschwiegen war, jetzt aber geoffenbart und durch prophetische Schriften, das von der Welt her verschwiegen gewesen ist, nun aber offenbart, auch kundgemacht durch der Propheten Schriften das von ewigen Zeiten her verschwiegen gewesen, jetzt aber geoffenbart und durch prophetische Schriften
gemäß der Anordung des äonischen Gottes für alle Nationen bekanntgemacht worden ist, um Glaubensgehorsam zu wirken nach Befehl des ewigen Gottes zum Glaubensgehorsam an alle Nationen bekanntgemacht worden ist nach Befehl des ewigen Gottes, zum Glaubensgehorsam an alle Nationen kundgetan worden ist, nach Befehl des ewigen Gottes, den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter allen Heiden: auf Befehl des ewigen Gottes kundgetan worden ist, zum Gehorsam des Glaubens, für alle Völker, –
Ihm, dem allein weisen Gott sei durch Christus Jesus Verherrlichung dem allein weisen Gott durch Jesus Christus, ihm sei die Herrlichkeit dem allein weisen Gott durch Jesum Christum, ihm {W. welchem} demselben Gott, der allein weise ist, ihm, dem allein weisen Gott, durch Jesus Christus,
für die Äonen der Äonen! Amen in Ewigkeit[A]! Amen. A) w. in die Zeitalter (griech. Äonen) sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen. sei Ehre durch Jesum Christum in Ewigkeit! Amen sei die Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

„Äonische Zeiten“

Die Aussage wird bei den meisten Übersetzungen einigermaßen klar: Das spezielle Evangelium des Apostel Paulus (mein Evangelium) war über eine sehr lange Zeit hinweg (über mehrere Äonen, also äonische Zeiten lang) unbekannt und wurde dann enthüllt. Der Zustand der Verhüllung hatte also ein Ende. Wer hat das enthüllt? Der in den Äonen als Unterordner handelnde Gott (im Griechischen theos=Unterordner), also der äonische Gott! Denn erst nach allen Zeiten wird das Unterordnen nicht mehr nötig sein, wenn Er der Vater aller und alles in allen sein wird. Hier ist also nicht gemeint, dass Gott etwa zeitlich begrenzt ist, sondern die Zeit des Ordnenmüssens ein Ende haben wird. Dies wird deutlich im Konkordanten Neuen Testament.

Hier wird besonders deutlich, dass die nichtkonkordanten Übersetzung mit der Übersetzung „ewig“ falsch liegen. Denn das zu Äon gehörende Adjektiv äonisch wird diesmal nicht mit dem abstrakten Begriff Leben verknüpft, sondern es beschreibt eine zeitliche Begrenztheit.

Die Elberfelder übersetzt dann auch die Zeitlichkeit betonend, aber völlig unverständlich „in die Zeiten der Zeitalter“ für äonisch und Luther „in die Welt“ – auch im Sinn von zeitlich begrenzt. Merkwürdig nur, dass das gleiche Wort äonisch wenige Worte weiter mit dem Gegenteil „ewig“ übersetzt wird! Hier wird wissend Gottes Wort verdreht, und das bei einem zentralen Begriff der Bibel.

Die Revidierte Elberfelder und Schlachter führen sogar etwas ganz Neues ein: „Ewige Zeiten“ soll etwas verborgen gewesen sein, was dann enthüllt wurde. Die „ewigen (äonischen!) Zeiten“ hatten also ein Ende, sonst wäre es ja immer noch verhüllt. Ewig im Sinn von „zeitlos, unendlich lange andauernd“ ist also eindeutig die falsche Übersetzung. „Ewige Zeiten“: Das ist genauso sinnig wie die Wortkombination „weißer Farbiger“. Denn entweder es ist etwas zeitlich (was hier ganz klar ist) oder es war schon immer so und wird auch immer so bleiben („ewig“).

Die Äonen der Äonen

Für die Äonen der Äonen wird Gott durch Christus Jesus verherrlicht werden. Ist das eigentlich jetzt schon der Fall? Nein, offensichtlich noch nicht! Was bedeutet also die Kombination „für die Äonen der Äonen“? Es sind mind. zwei besondere zukünftige Äonen, herausgegriffen aus mehr als zwei Äonen.

Von „Ewigkeit zu Ewigkeit“ (Schlachter) ist schon so verfloskelt, dass gar nicht mehr auffällt, wie unsinnig dieser Sprachgebrauch ist. Wie soll etwas von einer Unendlichkeit zu einer anderen andauern? Gibt es etwa mehrere Unendlichkeiten?

„In die Zeitalter“ (Revidierte Elberfelder) läßt den Leser völlig im Unklaren. Was soll das bedeuten? Reicht hier etwas in Zeitabschnitte hinein? Wenn etwas beispielsweise in einen Tag hinein reicht, was ist dabei die Aussage?

„In Ewigkeit“ (Luther, Elberfelder) ist auch falsch, ganze Begriffe wurden hier nicht übersetzt. Außerdem wird die Aussage vernebelt. Christus Jesus hat nicht immer geherrscht und wird auch in Zukunft nicht immer herrschen (1Kor 15,20-28). Von einer „Ewigkeit“ kann also keine Rede sein!

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Markus 10:30 – Das äonische Leben

Konkordantes NT (KNT) Revidierte Elberfelder Elberfelder
1905
Luther
1912
Schlachter
… und im kommenden Äon äonisches Leben. … und in dem kommenden Zeitalter[A] ewiges Leben. A) griech. Äon … und in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben. … und in der zukünftigen Welt das ewige Leben. … und in der zukünftigen Weltzeit ewiges Leben.

Äon

Aion ist halbwegs akzeptabel übersetzt: Die Revidierte Elberfelder lässt wenigstens noch in der Fußnote erkennen, dass hier von einem Äon die Rede ist. Warum übersetzt man nicht im Haupttext so?

Aion wird stattdessen mit Zeitalter übersetzt, was zwar nicht falsch ist, aber den Nachteil hat, den Zusammenhang zum Adjektiv aionion (äonisch) nicht transparent werden zu lassen. Luther übersetzt mit „Welt“ (missverständlich, da auch kosmos mit Welt übersetzt wird) und Schlachter mit „Weltzeit“, was den Sinn besser trifft als „Zeitalter“, da der sehr lange Zeitraum deutlich wird.

Äonisch

Regelrecht verzerrend ist dagegen die Übersetzung von aionion (äonisch) mit „ewig“.

Gerade an dieser Stelle wird besonders deutlich, dass das Adjektiv „aionion“ (äonisch) logischerweise direkt mit dem zeitlich begrenzten Äon zusammenhängt, also ebenfalls zeitlich ist. Dennoch wird in allen Übersetzungen außer dem KNT theologisch mit „ewig“ interpretiert und nicht exakt übersetzt. Denn eine Weltzeit bzw. ein Zeitalter hat ein Anfang und Ende. Ein Leben, dass sich darauf bezieht, ist selbstverständlich auch zeitlich, also vergänglich mit Anfang und Ende. Es kann ja auch nicht sein, dass das Adjektiv aionion eine völlig andere Bedeutung als das Substantiv aion hat!

Äonisches Leben

Äonisches Leben bezeichnet das Leben während bestimmter Äonen – des Millenniums und der neuen Erde (für die aus Israel) bzw. in den Himmeln (für die aus den Nationen). Es ist eine gleichwertige Gabe für bestimmte von Gott erwählte Menschen (die Gläubigen), die währenddessen Aufgaben im Heilsplan Gottes ausführen. Das äonische Leben wird nach diesen Äonen beendet sein. Die Menschen, die das äonische Leben nicht erhalten, leben während dieser Zeit nicht. Sie sind damit zwar vordergründig bestraft, landen aber keinesfalls in einer Hölle oder sind dauerhaft tot, wie die Alternative oft ausgemalt wird. Auserwählt wird also zum äonischen Leben und nicht zur Rettung. Die Irrlehre der Prädestination nach Calvin, die einerseits von der Auswahl zur Rettung und damit logischerweise andererseits zur Hölle (die einer anderen Irrlehre entspringt) ausgeht, basiert somit auf dem, auch wegen unrichtiger Übersetzungen, nicht erkannten Unterschied zwischen äonischem Leben (das nur einer Auswahl gilt) und Aussöhnung/Rettung (die alle Menschen erfahren werden).

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Das „ewige“ Übersetzungs-Chaos

Es ist spannend wie ein Historienkrimi, zu ergründen, wie Übersetzungen und Kirchendogmen entstanden sind. Am Beispiel der Entstehung des Dogmas der „ewigen“ Verdammnis (bzw. der unendlich lange dauernden „Höllen“-qualen) soll deswegen im folgenden gezeigt werden, dass politische und gesellschaftliche Einflüsse die Theologie wesentlich stärker geprägt haben und prägen, als die Aussagen der Heiligen Schrift.

Während der Entstehung des Neuen Testament war Griechisch die einflußreiche Verkehrssprache um das gesamte Mittelmeer herum, obwohl das Zentrum der politischen Macht bereits Rom war. Griechisch war folglich auch die Sprache des Neuen Testaments. In den ersten beiden nachchristlichen Jahrhunderten verstanden also die Empfänger der Paulusbriefe genau, was Paulus mit den verwendeten Begriffen sagen wollte. Das Wort, welches Dr. Martin Luther über tausend Jahre später, teils mit Welt oder Zeit im Sinne von zeitlich begrenzt (40mal), und teils mit Ewigkeit und Abwandlungen (75mal) übersetzen sollte, hat im Griechischen nur einen Ursprung: „aion“. Das entsprechende Adjektiv heißt „aionion“.

Die erste Übersetzung ins Lateinische wurde nun nicht etwa im heutigen Italien geschrieben, sondern kam aus der nordafrikanischen römischen Provinz Kathargo. Diese Provinz wurde 146 v.Chr. von Rom erobert und sprach fortan verstärkt Latein. Allerdings entfernte sich dieser lateinische Dialekt so weit vom römischen, dass der Geschichtsschreiber Polybius beklagte, selbst die sachkundigsten Römer könnten nur schwer den Wortlaut der früheren Verträge zwischen Rom und Kathargo verstehen. Um Christi Geburt war der kathargische Dialekt wie eine Fremdsprache für die Römer.

In Kathargo entstanden also erste lateinische Übersetzungen des griechischen Originals und hielten sich dort lange ziemlich unverändert. Sprachforscher behaupten, daß diese Übersetzungen von eher ungeschulten Kräften stümperhaft vorgenommen wurden. Als diese Übersetzungen auf italienischen Boden kamen, löste das Verwirrung aus, denn mit vielen kathargischen Begriffen konnten die Römer gar nichts anfangen, einige hatten eine andere Bedeutung erlangt.

Die alten kathargisch-lateinischen Übersetzer benötigten zwei Begriffe, um „aion“ zu übersetzen: Zum einen „seculum“, von dem unser säkular und z.B. das franz. siècle abstammt – zweifelsfrei im Sinn von Welt vom zeitlichen Standpunkt, als Generation oder Periode gemeint (im Unterschied zu gr. kosmos übersetzt mit mundus, die Welt im örtlichen Sinn). Der zweite benutzte Begriff war „aeternus“ , was wohl vor allem die Bedeutung von „ein Zeitalter oder lebenslänglich dauernd“ hatte. Wenn „aion“ in einem Satz zwei- oder dreimal vorkam, wie z.B. in der Wendung „für den Äon und für den Äon des Äons“ (Ps 10:16 ua), dann hat das Lateinische oft beides, aeternum und seculum: in das aeternum et in seculum secundi. Die beiden Worte hatten also eine mehr oder weniger ähnliche Bedeutung.

Diese Übersetzung gewann nun Einfluß im römischen Reich. Um zu verstehen, welche weitere Entwicklung sich an diese „Basisübersetzung“ anschloß, sollte man sich die politischen und gesellschaftlichen Randbedingungen vor Augen führen:

Politischer Machtpoker und der Mithras Kult

Wieso ist der 25. Dezember eigentlich ein besonderer Tag geworden? Keinesfalls, weil Jesus Christus an diesem Tag geboren wurde – denn es wird allgemein ausgeschlossen, dass sein Geburtstag im Dezember war. Nein, der Sage nach wurde ein gewisser Mithras an diesem Tag geboren, der auch Attribute des Sonnengottes Sol annahm, der an diesem Tag ebenfalls besonders verehrt wurde. Mitras ist eine persische, Mitra eine indo-iranische Gottheit, aus der schlußendlich Mithras wurde, der römische Gott des Lichts. Der Mithraskult dominierte über 200 Jahre die religiöse Welt des späten römischen Reiches, wo er insbesondere der Gott der Soldaten und Händler war. Viele Höhlenmalereien künden noch heute von diesem Mysterien-Kult, der nur Männern zugänglich war. 307 n.Chr. wird Mithras sogar vom römischen Kaiser (Caesar) Diokletian zum „Beschützer des Reichs (fautor sui imperii )“ ernannt. Erst 325 n.Chr. wurde von seinem Nachfolger Konstantin (dem Namensgeber von Konstantinopel) das „Konzil von Nicaea“ einberufen, in dem unter seiner Initiative eine Einigung mit dem neuen Christentum erzielt wurde und die römische Peterskirche gegründet wurde. Mit diesem rein machtpolitischen Schachzug und blutigen Schlachten unter dem Zeichen des Kreuzes hat er seinen Rivalen Maxentius, einen Anhänger des Mithraskults, besiegt.

Gegen 400 n.Chr. verschwindet der Name der alten Religion dann völlig, nachdem Theodosis 392 alle heidnischen Kulte verbietet. Die neue römisch-katholische Kirche vermittelte aber nicht etwa die ganz neuen und anderen Inhalte der Bibel, denn das hätte ihr ja unnötige Akzeptanzprobleme beschert. Statt dessen assimilierte sie, nur leicht verändert, die alten heidnischen Traditionen. Auch im Mithras-Kult wurde die Messe und eine Kommunion gefeiert, es gab eine heilsbringende Taufe, sieben Sakramente und die Lehre der Dreieinigkeit. Da Mithras als Sonnengott angesehen wurde, war der Sonntag („dies solis“) der ihm geweihte Tag. Das Christentum deutete ihn als „Tag des Herrn“ um und feierte Christus als „das wahre Licht“ und die „Sonne der Gerechtigkeit“. Mithras‘ Höhlentempel befand sich – auf den Hügeln des heutigen Vatikans und wurde 376 n. Chr. von der Kirche vereinnahmt. Der höchste Titel in der streng leistungsbezogenen mithrischen Hierarchie (von sieben Stufen) wurde „Pater“ genannt und wandelte sich zu „Papst“.

Wie stellten sich die Anhänger dieses Kultes nun das Ende der Welt vor? Es gibt eine große Schlacht, meinten sie, zwischen den Kräften des Lichts und der Finsternis. Die Erde wird zerstört und geht in einem Flammenmeer unter. Jene, die den Lehren der mithrischen Priesterschaft gefolgt sind, werden sich aber vorher den Geistern des Lichts anschließen können und sind damit gerettet. Diejenigen aber, die anderen Lehren gefolgt sind, landen zusammen mit Ahriman (dem Gegenspieler von Mithras, dem „Satan“) und den gefallenen Engeln in – einer „Hölle“ !

Auch die Wallfahrten und Pilgerreisen, die jetzt aufkamen, entsprachen herkömmlichen Kulten. Die Lichterprozession zu Mariä Lichtmeß geht auf einen römischen Sühneumzug, das „Amburbale“, zurück. Der aufblühende Heiligen- oder Märtyrerkult hat seine Wurzeln in im heidnischen Heroen- und Totenkult. In der götzenhaften Marienverherrlichung lebte der uralte Göttinnenkult wie bei Isis mit deren Sohn Horus fort. Auch die Vorstellung einer göttlichen „Dreieinigkeit“ entspricht heidnischen Vorstellungen.

Um keine Zweifel über die römische Staatsform aufkommen zu lassen, wurde auch das offizielle Gottesbild in dieses Muster gepresst: Der christliche Gott sollte wie ein Caesar vor allem als unbarmherziger Richter gesehen werden, der das Gesetz gegeben hat und dem gehorcht werden mußte. Die Beziehung zwischen Gott und den Menschen sollten daher gesetzlichen Charakter tragen. Im Unterschied zur Lehre der Bibel, die Gott in Seiner Beziehung zu den Menschen sieht, beginnt die römische Kirchenlehre mit dem Menschen und mit seiner Beziehung zu Gott. Der Mensch wird als gefallener und schuldiger Rebell hingestellt, der vor seinem Richter gelandet ist, statt entsprechend der Bibel, Gott in Seiner unermesslichen Liebe und Gnade darzustellen, deren sich der Mensch im Glauben erfreuen darf. Entsprechend dem römischen Machtsystem sollte auch Gott als die entscheidende Behörde, und der Mensch als Prüfling gesehen werden. Die römische, militärische Gewaltherrschaft wurden nun auf das neue Christentum übertragen. Es fehlte nur noch eine passende Lehre dazu, eine eingängige Theorie. Das besorgte ein kathargischer Intellektueller:

Tertullian

Um 160 n.Chr. in Kathargo geboren, wurde Tertullian ein fesselnder Redner und Schriftsteller, ein scharfer Rhetoriker und ein geschickter Rechtsanwalt. Er war der erste, der damit anfing, sich systematisch daran begab, eine „christliche“ Lehre in lateinischer Sprache aufzubauen und so die Grundlagen einer lateinische Terminologie schuf, die sehr großen Einfluß auf das theologische Denken nach ihm haben sollte.

Bezeichungen wie Trinität (Dreieinigkeit), Priester, Sakrament, verdammen (damnare), verloren (perditum) undHölle“ brachte er in die Bibel bzw. mit ihr in Zusammenhang. Sie sind alle sehr verschieden von den griechischen Wörtern des Grundtextes und daher als unbiblisch zu bezeichnen.

An dem Beispiel „Hölle soll das gezeigt werden. Der Begriff „Hölle“ hat seinen Ursprung im Namen der skandinavischen Todesgöttin „Hel“ (daher das engl. hell). „Hölle“ wurde und wird bis heute für das griechische Hades verwendet. Was verstanden nun die ersten, griechisch geprägten Christen unter diesem Begriff Hades (gr. aides)? Diese Bezeichnung wurde auch in der damals hunderte von Jahren alten orphischen Dichtung verwendet, als griechisches Kulturgut damals jedem Kind bekannt. Hades (wörtlich: Nicht-Wahrnehmbares) war dort der Gott der Unterwelt und wurde bald synonym für die Unterwelt selbst genutzt. In den Hades kamen demnach alle, die von der „Oberwelt“ Abschied nehmen mussten, also die Toten. Entscheidend ist nun, wie man darüber gedacht hat, was dort passiert. Die Antwort ist einfach: Nichts! Man ging davon aus, dass die Seelen der Abgeschiedenen dort in trostlosem Stumpfsinn hausen, ohne Erinnerung an die Vergangenheit auf der Oberwelt.
Im Neuen Testament wird Hades in der eigentlichen Wortbedeutung verwendet, um zu erklären, wo die Seele bleibt, wenn sich Körper (Rückkehr zur Erde) und Geist (Rückkehr zu Gott, s.o.) durch den Tod trennen. Das „Konkordante Neue Testament“(KNT) übersetzt Hades mit der ursprünglichen Wortbedeutung „Ungewahrtes“, und drückt damit gut aus, was gemeint ist: Man kann die Seele nicht mehr wahrnehmen.
Erst der kirchliche Chefideologe Tertullian und seine geistigen Nachfolger machten daraus eine „Hölle“, ähnlich der im Mithraskult. Sie wollten mit einen Ort drohen können, in dem die kirchenuntreuen Menschen bei vollem Bewußtsein unendlich lange gequält werden.

In meisterhafter Art entwarf er nach diesem Muster weitere Formeln und kirchliche Lehrsätze. Nach und nach wurde so der Charakter der christlichen Lehre verändert und der Weg in ein römisches Dogmensystem gebahnt.

Statt den Menschen stufenweise mit den Wegen und den Willen Gottes bekannt zu machen, müssen sie, ohne eine Frage aufwerfen zu dürfen oder eine Erörterung führen zu können, die in starre und kristallharte Form gegossene Lehrmeinung der Kirche übernehmen.

Das war also der geistige Nährboden, auf dem diese kathargisch-lateinische Übersetzungen fielen.

Hieronymus und die „Vulgata“

Die provinzialischen Spracheigenheiten der afrikanischen Bibel wurden nun notdürftig zurechtgeflickt, der Text nach den in Rom gebrauchten griechischen Abschriften zusammengestümpert, und das Resultat war unbeschreibliche Verwirrung. Man behauptete, es gäbe wohl so viele Übersetzungen wie Handschriften, wenngleich das zweifellos übertrieben ist.

Um Ordnung in das Chaos zu bringen, beauftragte der römische Bischof Damasus 382 den römischen Gelehrten Hieronymus mit der schwierigen Aufgabe, eine verbindliche Übersetzung zu schaffen. Er wurde in Bethlehem seßhaft und studierte alle alten Handschriften des hebräischen Alten und des griechischen Neuen Testaments, die er in die Hände bekommen konnte. Von 386 bis 405 beschäftigte sich Hieronymus bestimmt sehr gewissenhaft mit der Revision der lateinischen Bibeln. Das Ergebnis war die „Vulgata“ (d.h. „einfach“, das Latein des normalen Volks).

Was machte nun Hieronymus mit dem griechischen Wort „aion“ bzw. den ihn vorliegenden Übersetzungen seculum und aeternum? In 128 Stellen kommt das griechische aion vor, 101mal übersetzte er mit seculum, 27mal mit aeternum. Sooft uns in der Offenbarung des Johannes „für die Äonen der Äonen“ begegnet, übersetzte er z.B. mit „für die secula der secula“ im Sinn eines begrenzten Zeitraums. Zur Erinnerung: Luther übersetzte 75mal mit Ewigkeit und 40mal mit Welt (bzw. teilweise weder noch).

Das zugehörige Verb „aionion“, das 67mal vorkommt, übersetzte Hieronymus 65mal mit aeternus und nur 2mal mit secular (2. Tim. 1,9, Tit. 1,2). 43mal kommt aionion in Zusammenhang mit Leben vor. Hieronymus übersetzt hier stets mit aeternus, da er ja auch schlecht mit „säkulares Leben“ (weltliches Leben) übersetzen konnte.

An vielen anderen Stellen kann man ebenfalls erkennen, daß Hieronymus mal mit aeternum und mal mit seculum, bzw. deren Adjektiven übersetzte, ohne ein System erkennen zu lassen. Will man ihm nicht unterstellen, daß er leichtfertig mit Gottes Wort umgegangen ist, lautet die Folgerung, daß auch Hieronymus beide Begriffe synonym (d.h. mit gleicher Bedeutung: zeitlich begrenzt) benutzt hat, denn nur dann wären sie so austauschbar.

Der Einfluß der Mächtigen

Justinian, der größte unter den oströmischen Kaisern, herrschte von 527 bis 565 in Konstantinopel. Im Jahr 540 traf er Vorbereitungen des berühmten Konzils, das später in seiner Hauptstadt tagte. Es war bei dem Kaiser unbestrittene Sache, daß gewisse Lehren unterdrückt werden mußten. In einem Schreiben an den Patriarchen Mennas von Konstantinopel legt er den Stand der Dinge dar und erörterte die kirchlichen Lehren mit großer Geschicklichkeit. Insbesondere verlangte er, es müsse mit unmißverständlicher Klarheit ausgesprochen werden, daß das Leben der Heiligen immerwährend sei und gleichfalls die Verdammnis der Verlorenen. Das war demnach durchaus nicht allgemeine Ansichtssache.

Die biblische Botschaft von einem liebenden Gott, der niemanden „ewig“ verflucht, verbannt oder verdammt, sondern alle Menschen zu sich zurückholen wird, wurde nun als Irrlehre hingestellt: „Wenn einer sagt oder meint, die Bestrafung der Dämonen und der gottlosen Menschen sei zeitlich und werde zu irgendeiner Zeit ein Ende haben […], der sei verflucht“. Damit hatte die Staatskirche eine der schärfsten Waffen gegen alle in der Hand, die ihrer Lehre nicht Folge leisten wollten: Das latente Drohen mit ewiger Verdammnis, die die Staatskirche in den folgenden eineinhalb Jahrtausenden nachdrücklich einsetzte. Sie wurde auch zur geistigen Grundlage der Inquisition und der Kreuzzüge, die Millionen von Menschen grausamste Qualen bereitet und das Leben gekostet haben. Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Namen Gottes. Welche Blasphemie!

Das griechische aion bzw. die lat. seculum und aeternum wurden außerdem so per Edikt zu „unendlich“ umgedeutet. Entgegen dem griechischen Urtext und wohl auch entgegen dem Sinn von Hieroymus‘ Vulgata.

Latein blieb die Umgangssprache der römisch-lateinischen Kirche, und das Studium der Bibel war nur kirchlichen Führern vorbehalten. Die Kirche begnügte sich damit, ihre „Botschaft der Bibel“ dem Volk vornehmlich in lateinischen Predigten (die die Zuhörer nicht verstanden) oder in Form von Bildern weiterzugeben (Heiligenfiguren, Fensterglasmalereien). Vor den staunenden Kirchenvolk wurde ein kultisches Theater, genannt Messe, inszeniert. Das Volk wurde bewußt dumm gehalten und von den Lehren der Bibel getrennt. Fast alles reduzierte sich auf Geschichten des Alten Testaments und den Gleichnissen von Jesus. Von dem Heilsplan Gottes für alle Menschen erfuhren sie kaum etwas. Daran krankt die Theologe bis heute.

Im Unterschied dazu kann heute allerdings jeder selbst den Wahrheitsgehalt von Lehren überprüfen, die Organisationen verbreiten, denn jeder Interessierte hat Zugang zu sehr guten urtextgetreuen Übersetzungen bis zum Wortlaut des Originaltextes selbst.

Die nachrömische Zeit

Über tausend Jahre konnte sich nun Tertullians verfälschendes Begriffsgebäude zusammen mit der Vulgata in der Theologie fest verwurzeln. Die Versuche im Mittelalter, Teile der Bibel in der jeweiligen Landessprache im Volk zu verbreiten, stießen bei dem mächtigen römischen Klerus auf großen Widerstand. Sie befürchteten, dass das Volk die Bibel nicht nach dem offiziellen Verständnis auffassen und auslegen würde. Nicht zu unrecht!

Im Jahre 1199 wurden in Lyon einige Menschen verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt, weil sie Teile der Bibel in französischer Sprache unter das Volk gebracht hatten. Die Märtyrer gehörten zu den Waldensern, einer evangelischen Bewegung, die wahrscheinlich im elften Jahrhundert entstanden sind.

In England dauert es noch bis zum 14. Jahrhundert, bis die Bibel als Ganzes ins Englische übertragen wurde. Diese Arbeit wurde von dem britischen Gelehrten und Priester John Wycliff ausgeführt. Unter großer Geheimhaltung (aus Furcht vor kirchlichen Behörden) wurde diese handgeschriebene englische Bibel viele Male kopiert. Die fertigen Kopien gab Wycliff seinen Nachfolgern mit, die als Laienprediger ausgesandt wurden, um in den Dörfern und Städten aus diesen Bibeln vorzulesen und zu unterweisen. Viele von ihnen landeten auf dem Scheiterhaufen. Wycliff übersetzte „in die Äonen der Äonen“ übrigens mit „to worldis of worldis“ (Welten der Welten).

Erst mit der Einnahme Konstantinopels, dem damaligen Mittelpunkt der griechischen Gelehrsamkeit, durch die Türken 1453 und der damit einhergehenden Vertreibung zahlloser Gelehrter ins europäische Ausland, wurde die griechische Sprache wieder modern. Bis dahin, also fast ein Jahrtausend, war das Griechische in den meisten Ländern Europas fast unbekannt oder vergessen, sogar in Italien, das es einst völlig beherrscht hat.

In England begann man erst 1484 Griechisch öffentlich zu lehren, und zwar in der Universität Oxford, wo Erasmus, der große niederländische Gelehrte Griechisch lernte und dann Professor dieser Sprache in Cambridge wurde. Sein erstes griechisches Neues Testament gab er 1516 heraus. Die erste griechische Grammatik seit wohl mehr als ein Jahrtausend wurde 1476 in Mailand veröffentlicht, das erste Lexikon vier Jahre später.

Man könnte meinen, nun aber, wo doch die Intellektuellen wieder etwas mit dem griechischen Urtext anfangen können, würden die Begriffe des Tertullian und seiner geistigen Nachfolger hinweggewischt werden. Zu spät! Die unheilvolle Saat der unbiblischen Theologie ist schon lange aufgegangen und zu einem Baum der Unkenntnis geworden. Das hat es den Übersetzern fast unmöglich gemacht, unvoreingenommen an die Texte heranzugehen.

Hinzu kommt der Einfluß der Kunst:
Völlig losgelöst von biblischen Grundlagen spuken besonders seit den beeindruckenden Darstellungen mittelalterlicher Künstler, beispielsweise des Malers Hieronymus Bosch (1450-1516) oder des Dichers Alighieri Dante (1265-1321), alptraumhafte Horrorphantasien über eine Hölle in den Köpfen der Menschen umher. Dort werden schreiende Menschen enthäutet, ihrer Eingeweide entledigt, diverse Körperteile werden entfernt, sie werden gekocht oder von Fratzenwesen auf andere Art abgestraft. Interessant ist dabei, dass Dante beim Schreiben seiner „Göttlichen Komödie“ Motive aus dem Werk eines islamischen Autors aufgriff („Die mekkanischen Offenbarungen“ von Ibn al-Arabi). Das wurde wiederum von der seit dem 8. Jh. bekannten muslimischen Legende „Al-mir’aj“ beeinflusst und von den Mandalas des Hinduismus (später Buddhismus) und ihren bunten Darstellungen von Himmel und Hölle (taz vom 17.11.07).

Nach der Lehre der katholischen Kirche führt die Quälerei aber nicht zum schnellen Tod, denn ein Ende soll es ja nicht geben. Demnach sollte man tunlichst im Sinn einer „unendlichen Verdammung“ übersetzen, es sei denn, man fürchtet den Bann der Kirche bzw. die Ablehung durch weite Kirchenkreise in heutiger Zeit nicht.

Selbst Luther, dem im Dezember 1521 bei seiner Übersetzungsarbeit in Rekordzeit (Fertigstellung im März 1522) die griechischen Texte vorlagen, übersetzte unsystematisch aber in einem kraftvollen und sehr prägenden Deutsch. Neben vielen von der lateinischen Theologie geprägten Begriffen benutzte er zur Übersetzung von aion neben „Welt“ das deutsche Wort „Ewigkeit“.

Das war an sich nicht weiter verwerflich: Das Griechische und Deutsche haben als gleichen Ursprung das Indo-Germanische und daher viele Gemeinsamkeiten. Die gotische Übersetzung, in der sich Überreste einer germanischen Sprache finden lassen, die um 350 gesprochen wurde, hatte als Grundlage den griechischen Text, und war daher frei von den lateinischen Verfälschungen. Wie wurde nun hier aion übersetzt? Bis auf wenigen Ausnahmen mit aiws. Das entspricht genau dem lateinischen aevum und dem griechischen aion. Der nahe Zusammenhang des gotischen aiws nicht nur mit aevum und aion, sondern auch mit dem althochdeutschen ewa (Lebenszeit) und mit dem neueren ewig, wird von jedem Sprachforscher bestätigt. In „Wahrigs Wörterbuch“ wird der Zusammenhang von ewa zu Ehe hergestellt. Zahlreiche Dokumente in der althochdeutschen Sprache des Alltags bestätigen die Verwendung von ewa=ewig als langen, aber begrenzten Zeitraum.

Auch im normalen Sprachgebrauch („ich warte ja schon eine Ewigkeit“) ist nie ein unendlich langer Zeitraum gemeint. Ewig wäre also ein gutes deutsches Wort für die Übersetzung von „äonisch“ gewesen, wenn es nicht unter dem Einfluß der lateinischen Kirchensprache den Sinn einer Unendlichkeit angenommen hätte, dem man ihm heute schwer wieder nehmen kann. Festzuhalten ist aber, daß allein die Theologie den Gedanken einer Unendlichkeit bzgl. der Zeit in die Welt gesetzt hat und dazu vorhandene, anders verwendete Begriffe gewaltsam umgedeutet hat.

Ausblick

Ein erfreuliches Zeichen dafür, daß die biblische Bedeutung von aion und aionion sich zunehmend und schrittweise auch in der Theologie unserer Tage durchzusetzen beginnt, tritt uns beispielsweise (vorsichtig formuliert) im „Theologischen Begriffslexikon zum NT“ (Brockhaus, Wuppertal) und in dem kleinen Neutestamentlichen Wörterbuch von Ralf Luther (Furche-Verlag, Berlin) entgegen. In Letzterem heißt es unter „Ewig, Ewigkeit“:

„Äon bedeutet nicht die endlose Dauer, sondern Zeitalter, Zeitlauf. Es wird, wenn von einem Zeitlauf die Rede ist, auch immer an die besondere Art und Prägung, an die eigentümlichen Umstände, an die Bestimmung dieses Zeitlaufs gedacht. […] Dieser Äon hat sein Gepräge durch die in ihm herrschenden finsteren Mächte, durch die dämonischen Züge seines Gesichts, durch die fortschreitende Entgöttlichung seiner Zustände. […] Auf den kommenden Äon sind im Neuen Testament alle Augen gerichtet. – Weil man gemeinhin unter dem Äon den nächsten, göttlichen, von Christus heraufgeführten Äon versteht, bedeutet aionios (ewig) das, was aus diesem neuen Zeitlauf stammt, was zu ihm gehört, was durch seine Art und Richtung bestimmt ist. „Ewiges“ Leben bedeutet im Neuen Testament durchweg: das Leben des kommenden Zeitlaufs. „Ewige Herrlichkeit“ bedeutet den Glanz, die Hoheit, die dem kommenden Äon eignet (2. Tim. 2,10). Das „ewige“ Reich ist das Reich den neuen Weltlaufs (2.Petr. 1,11). „Ewige Seligkeit“ bedeutet das Heil des kommenden Zeitalters (Heb. 5,9).[…]“

Vieles ist der Schrift „Wie sich die Ewigkeit einschlich“ von Paul Petry entnommen.

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