Archiv der Kategorie: Wortanalysen

Aion, olam = Ewigkeit?

Im Neuen Testament wird bei Zitaten aus dem Alten Testament das hebräische „olam“ mit „aion“ wiedergegeben (Heb. 1,8; Heb. 5,6; 1. Petrus 1,25). Es liegt also eine Bedeutungsgleichheit vor. Luther übersetzte „aion“ 37mal mit „Welt“. 75 mal benutzte er „Ewigkeit“/ „ewig“/“ewiglich“, jeweils 1mal „Lauf“, „vorzeiten“ und „Zeit“. „aionion“ übersetzte er 67mal mit „ewig“ und 3mal mit „Welt“. Diese Vielfalt macht deutlich, dass die Begriffsbedeutung nicht in der Bibel selbst gesucht wurde. Offensichtlich waren hier also zumindest bei einem Teil der fallweisen Übersetzungen bzw. Interpretationen außerbiblische Überlegungen und Vorstellungen Ausschlag gebend.

Untersucht man alle Belegstellen, erkennt man Folgendes: Übersetzt Luther aion mit Welt (z.B. Mt. 12,32; Mk. 10,30; Lk. 18,30; Röm. 16,25; 1.Kor. 10,11, Eph. 1,21; 3,21; Kol. 1,26; 1.Tim.1,17; 2.Tim. 1,9; Heb. 9,26) ist nicht ein Ort im Universum gemeint, sondern ein bestimmter Zeitabschnitt mit einem Anfang (1. Kor. 2,7) und einem Ende (Abschluss des Äons: Mt. 13,39; 13,49; 24,3; Hebr. 9,26, 1.Kor. 10,11). Der Begriff „Äon“ wird auch als Fachbegriff in der Geologie verwendet, um einen langen geologischen Zeitabschnitt zu bezeichnen (natürlich ist dort nur diese eine Bedeutung bekannt!). Dabei geht man von zwei vergangenen Äonen aus (Archaikum, Proterozoikum) – der gegenwärtige dritte Äon wird Phanerozoikum genannt, weiter untergliedert wird in Ären (Entsprechung in der Bibel: oikonomia). Wichtig zu erkennen ist, dass auch in der Bibel die Bedeutung von „Zeitabschnitt“ zwingend ist – die angebliche andere Bedeutung von „Endlosigkeit/Ewigkeit“ war an den oben genannten Stellen aus spachlogischen Gründen nicht möglich. Andere Übersetzungen verwendeten daher auch den Begriff „Zeitalter“ oder noch besser „Weltzeit“. Da aber auch schon kosmos richtigerweise mit Welt übersetzt wird, im Sinn einer Gesellschaftsordung, kann diese Übersetzung für Aion nach der konkordanten Methode nicht mehr verwendet werden, zumal es den Aspekt der Zeitlichkeit nicht ausreichend betont.

Der deutsche Begriff Ewigkeit/ewig, den Luther außerdem benutzte, hat im Laufe der Zeit die ursprüngliche Bedeutung (langer Zeitraum, verwandt mit dem alth. ewa, Ehe; entstammt dem indogermanischen aju=Lebensdauer) verloren, und das Gegenteil „Unendlichkeit“ angenommen. Allerdings ergibt sich diese Interpretation von Aion an keiner Belegstelle aus dem Text selbst, im Unterschied zur Übersetzung im Sinn von Zeitalter. Lediglich (offensichtlich unbiblische) vorgefasste Meinungen gaben hier wohl den Ausschlag für die vorgenomme Bedeutungsveränderung hin zu einer „Endlosigkeit“. Angebliche Hinweise auf die Bedeutung der Unaufhörlichkeit lassen sich leicht entkräften. In 2.Kor. 4,18 beispielsweise geht es nicht um den Gegensatz von zeitlich und nichtzeitlich, sondern um einen kurzen Zeitabschnitt (proskairon hat nichts mit der Zeit chronos an sich zu tun, sondern bedeutet kurz befristet) im Vergleich zu einem wesentlich längeren (äonischen) Zeitabschnitt, der Dinge, die außerhalb der eigenen Lebenszeit liegen unsichtbar werden läßt.
Außerdem, im unwahrscheinlichen und der Geschichte der Sprache einmaligen Fall, dass ein Nomen zwei entgegengesetzte Bedeutungen haben kann, wie es gerne konstruiert wird, nach welchen Kriterien wird dann die richtige Bedeutung ausgewählt, wenn im Zusammenhang beides möglich wäre? Warum wurde in diesen Fällen immer mit Ewigkeit übersetzt, insbesondere wenn es um die Gerichte Gottes geht? Wie ist es zudem zu erklären, dass „aion“ auch in der Mehrzahl vorkommt (Gal 1,5 u.v.a.). Gibt es etwa mehrere Endlosigkeiten?
Wie sieht nun um „aionion“, dem Adjektiv von Aion, aus? Wie wählt man dort aus? Nicht nötig, wird dem erstaunten Laien erklärt: „aionion“ habe doch nur eine Bedeutung, und zwar „ewig“! Das Substantiv Äon soll also zwei sich widersprechende Bedeutungen haben, das zugehörige Adjektiv aber nur eine. Wie ist dieser Widerspruch zu begründen? Es ist wohl nicht nötig auszuführen, dass diese Aussage sprachlogisch absurd ist. Hilfreich war den „Übersetzern“, dass aionion in der Bibel meist mit abstrakten Begriffen wie Leben verknüpft wird, bei der die Falschübersetzung logisch nicht auffällt. Es gibt aber gern verschwiegene Belegstellen (Rö. 16,25; 2. Tim. 1,9), die der Interpretation von äonisch mit endlos klar widerlegt, während Titus 1,2 der Auslegung im Sinn einer Anfangslosigkeit von äonisch widerspricht, da von vor-äonischen Zeiten die Rede ist.

In konkordanten Übersetzungen werden die eingedeutschten Wörter „Äon“ bzw. „äonisch“ eingeführt, da kein deutsches Wort geeignet scheint, eine Übersetzung zu liefern. Die Definition für Äon in der Stichwortkonkordanz des KNT (S.371) lautet „Weltzeit, der längste Zeitabschnitt, eine Welt vom Gesichtspunkt ihrer Zeitdauer aus gesehen“ und äonisch bedeutet demnach folgerichtig: „die Äonen betreffend“. Nur wenn Aion einheitlich übersetzt wird, kann der Zeitplan Gottes, bestehend aus verschiedenen Äonen, die verschiedene Inhalte haben, erkannt werden.

Es entbehrt auch jeder Grundlage, wenn behauptet wird, dass es im Griechischen anders nicht möglich sei, eine Unendlichkeit auszudrücken und die Schreiber deshalb gezwungen waren, den vorhandenen Zeitbegriff Äon mit einer völlig neuen, zusätzlichen Bedeutung zu belegen. Richtig ist, dass eine Endlosigkeit sehr wohl deutlich mit vorhandenem Vokabular ausdrückbar gewesen wäre. Man verwendet dazu Verneinungen (nicht nur im Griechischen), wie Unsterblichkeit (a thanasia, 1. Kor. 15,53; 1. Tim. 6,16), Unauflöslichkeit (a kata luton, Heb. 7,16), Niemals mehr (ou me eti, Offb. 18,21-23), Unvergänglichkeit (a phtharsia, 1. Kor. 15,42; 15,50; 15,53; 15,54; Eph. 6,24; 2. Tim. 1,10) bzw. unvergänglich (a phetheron Gott: Rö. 1,23; 1. Tim. 1,17). Wie kann nun ein Übersetzer z.B. davon ausgehen, dass es ja äonisches Leben nicht heißen kann, und statt dessen mit unvergänglichem Leben (ewigem Leben) übersetzen?

Verfloskelte Unsinnigkeiten wie das Wortungetüm von Ewigkeit zu Ewigkeit können in einer wortgetreuen Übersetzung also nicht mehr gefunden werden. Was sollte das denn auch sein? Dauert da etwas was von einer Unendlichkeit zur nächsten an? Gibt es etwa mehrere Endlosigkeiten? Nein, die Erklärung ist einfach. Meist steht dort tatsächlich „für die Äonen der Äonen“ (z.B. Offb. 20,10 „tous aionas ton aionion“), was so viel bedeutet wie „während einiger Äonen, die besonders wichtig sind“; vergleichbar mit unserem Sprachgebrauch, wenn man den „Tag der Tage“ herausheben möchte.
In Markus 3,29 spricht Jesus auch beispielsweise nicht davon, dass es „keine Vergebung in Ewigkeit“ gäbe, sondern „keine Vergebung in dem Zeitalter (Äon!)“. Nach Offb. 11,15 dauert die Herrschaft des Sohnes „für die Äonen der Äonen“ (also für die letzten beiden Äonen – Millennium und die Neue Erde – statt von „Ewigkeit zu Ewigkeit“), denn danach wird Er sie ja Seinem Gott und Vater übergeben (1. Kor. 15,24-28), sie hat also ein Ende. Die „ewige Pein“ in Mt 25,46 ist richtig übersetzt eine „äonische Strafe“, da der nächste Äon (das 1000-jährige Königreich) nicht als Mitglied des herrschenden Volks Israel erlebt wird, sondern man statt dessen tot ist und danach zur Zurechtbringung das Gericht durchlitten werden muss (siehe auch 2. Petrus 2,9).

Wenn nun aber die Vorstellung von Ewigkeit nicht in der Bibel wiederzufinden ist, wo kam sie dann her? Der Begriffsinhalt von „unaufhörlicher Zeit“, die dem hebräischen Zeitdenken sowieso völlig fremd war, wurde in der Deutung als „Überzeit“ erst von Platon entwickelt und von Plutarch und der jüngeren Stoa übernommen. Die Unendlichkeit/Ewigkeit ist in der Philosophie die Bezeichnung für das Grenzenlose, in dem alle Phänomene angesiedelt sind, deren Ende nicht gedacht werden kann. Die Ewigkeit gilt Platon als die wahrhafte Form des Seins, d. h. als Seinsweise der Ideen, die frei von allem Werden sind. Für die antiken Denker war zumeist die Welt unendlich – eine Auffassung, die mit der Bibel, die von einem zielgerichtet in Zeitabschnitten handelnden Gott berichtet, nichts gemein hat. Mit der Falschübersetzung Ewigkeit/ewig wurden also unbiblische Philosophien in die Bibel getragen, gestützt durch politische Einflussnahmen und Machtdenken des Klerus (mehr…).

Siehe auch:

 Heinrich Langenberg: Äon oder/und Ewigkeit?

Wolfgang Gaßler: Analyse des Begriffs „Ewigkeit“ in der Bibel

Heleen M. Keizer: Life Time Entirety – A study of Aion in Greek Literature and Philosophy, the Septuagint and Philo, Doktorarbeit 1999, Amsterdam (engl.)

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Geenna, Hades/Sheol = Hölle?

Mit „Hölle“ wurden und werden bis heute das griechische Hades und Geenna übersetzt (u.a. bei Luther). Luther übersetzte Hades 5mal mit „Hölle“ (z.B. in Mt. 16,18), außerdem 2mal mit Toten, 2mal mit Totenwelt, 1mal mit „sein Reich“. Geenna übersetzte Luther 8mal mit „Hölle“ (u.a. Mt. 5,22; Mt. 29,30; Mt. 18,9; Mk 9,43, Mk. 9,45, usw.); und 4mal mit „höllisch“. Diese willkürliche Art der Übersetzung ist 1540, als Luther sich an die verdienstvolle Pionierarbeit der Übersetzung machte, noch zu entschuldigen. Heute, nach vielfacher Überarbeitung, ist das nicht mehr nachvollziehbar.

Der Hades des NT ist die Übersetzung von Sheol aus dem AT (Ap. 2,27, Ps. 16,10). In den Hades/Sheol kommen die Seelen aller Menschen nach dem Tod (Ps. 30,3; 49,15; 86,13; 89,48; Spr. 23,14; Joh. 5,28-29; Ap. 2,31). Die Seele ist entstanden durch die Verbindung von Geist und Körper (1. Mose 2,7) und ist folglich nicht mehr existent, wenn Geist und Körper nach dem Tod getrennt werden. Das wird auch durch die wörtlichen Übersetzungen von Hades und Sheol ausgedrückt: Hades bedeutet „Unwahrnehmbares“ und Sheol „Fragliches“. Es ist also fraglich, wo die Seele nach dem Tod ist, sie ist nicht mehr da, also nicht mehr wahrnehmbar, wenn das Blut nicht mehr im Körper zirkuliert (vergleichbar mit elektrischem Licht, nachdem der Stromfluss unterbrochen wurde). Der Todeszustand im Hades wird auch mit dem Schlaf verglichen (1. Thess. 4,14; 1. Kor. 11,30). Dieser Zustand wird für jeden ein Ende haben: „Jehova tötet und macht lebendig; er führt in den Scheol hinab und führt herauf“ (1. Samuel 2,6). Im AT ist von Qualen im Sheol nie die Rede, im Hades des NT ebenfalls nicht, abgesehen von der Verwendung des Begriffs Hades in einem Gleichnis. Wird aber diese Rede Jesu vom reichen Mann und armen Lazarus (Luk. 16,19ff) angemessen, d.h. als Gleichnis, interpretiert, löst sich jeder Widerspruch auf (hier ausführlich erklärt).

Geenna (Gehenna) ist dagegen lediglich eine Ortsbezeichnung für ein Tal südlich von Jerusalem (heutiger Name: „Wadi er-Rababi“). Gehenna ist die griechische Form des hebräischen Gehinnom und bedeutet „Tal Hinnom (Ge-Hinnom)“. Auf historischen Karten von Jerusalem ist es eingezeichnet:

Historische Karte mit dem Tal Hinnom (unten links)
Historische Karte mit dem Tal Hinnom (unten links)

Hier ist auch ein Photo von dem, was einige Übersetzer in Mt. 5,22ff; Mt 18,9; Mt 10,28; Mt. 23,15; Mk. 9,43ff; Jak. 3,6 frei mit „Hölle“ übersetzt haben (Jerusalemer Bibellexikon, S. 344):

Das Tal Gehenna bei Jerusalem
Das Tal Gehenna bei Jerusalem

Wie kam es dazu? Dieser Ort hat zweifelsohne eine grauenvolle Vergangenheit. Zu alttestamentlicher Zeit wurden hier bei kultischen Handlungen dem Ammoniter-Gott Moloch Kinder geopfert (2.Könige 23,10). Dies geschah auf dem sog. „Thophet“ (wörtl. „Feuerstätte“), einer Höhe, die eigens zu diesem Zweck dort errichtet wurde. Diese Praxis wurde von den Israeliten unter der Regentschaft Solomons im 10. Jh v.Chr. und des Königs Menasseh im 7. Jh. v.Chr. weitergeführt bis in die Zeit des babylonischen Exils (6.Jh. v.Chr.). Der Prophet Jeremia, der diesen unsäglichen Brauch scharf verurteilte, nannte dieses Tal „Schlucht der Umbringung“ (Jer. 7,31-32; 19,5-9), weil nach dem Gericht Gottes über Jerusalem kein anderer Platz mehr sein wird, die Toten zu begraben (Jer. 19,6-11). So kündigte Jesaja an: „…und sehen die Leichen der Menschen, die da übertraten gegen Mich [Jahwe] … und sie werden zum abstoßenden Anblick allem Fleisch“ (Jes. 66,24). Diese Prophezeihung hat sich mit der Eroberung Jerusalems durch Nebukadnezar II. 586 v.Chr. erfüllt.
Spätestens ab dem 8 Jh. v.Chr. diente das Tal als das wichtigste Begräbnisfeld Jerusalems, wie aus archäologischen Ausgrabungen hervorgeht (Jerusalemer Bibellexikon, S. 344). Außerdem wurden ständig Tierkadaver und Unrat verbrannt. Wo Feuer das Fleisch nicht vollständig vernichtete, dürften Würmer oder Maden dies übernommen haben. Was daher die Bibel über diesen Ort sagt, entspricht im Allgemeinen der traditionellen Auffassung, die in rabbinischen und anderen Schriften vertreten wird. Demnach diente das Hinnomtal als Müllgrube der Stadt Jerusalem. In J. B. Phillips’ „New Testament in Modern English“ wird das Wort Gehenna in Matthäus 5,30 mit „Schutthaufen“ wiedergegeben. Der Jude David Kimchi (ca. 1160 bis 1235) kommentiert Psalm 27,13 so: „In der Umgebung von Jerusalem existiert ein widerlicher Ort, in den man unreine Dinge und Leichname hinabwarf. Ebenso war dort ein ständiges Feuer, um die unreinen Dinge und die Knochen der Leichname zu verbrennen.“
Im Neuen Testament wird von Jesus 11mal auf diesen unheimlichen Ort Bezug genommen. Er benutzt die in den Köpfen seiner Zuhörer vorhandenen Bilder von Feuer und Vernichtung, also das Bild des schändlichen Todes, um das Leben im Königreich als Alternative als noch erstrebenswerter darzustellen, das jedes denkbare Opfer lohnt (z.B. Mrk. 9,43-48). An diesem Königreich teilzunehmen, war Generationen von Juden ein großes Ziel – es nicht erleben zu können, wäre eine große Strafe.

Festzuhalten ist an dieser Stelle, dass der biblische Befund eindeutig ist:
1) Die Bibel beschreibt an keiner Stelle, dass in der Gehenna jemand gequält wird (schon gar nicht nach dem Tod); auch angekündigt wird das nie, weder von den Propheten noch von Jesus. Die Gehenna in der Bibel ist ein Freiluftkrematorium, nicht mehr und nicht weniger.
2) Angesprochen sind außerdem nur Angehörige des Volkes Israel in einem bestimmten Kontext, sowohl im AT als auch im NT. Daraus einen Ort der „ewigen Verdammnis“ ganz allgemein für Gott ferne Menschen zu machen, ist auch aus diesem Grund nicht gerechtfertigt.

Dass dieses Tal dennoch mit einer „Hölle“ in Verbindung gebracht wurde, liegt neben möglichem Wunschdenken an jüdischen Fabeln und Sagen: Beispielsweise soll es laut Talmund (ab 200 n.Chr. entstanden) in dem Tal Hinnom zwischen zwei Palmen ein Erdloch geben, aus dem Rauch aufsteige. Dies, so wird fabuliert, soll der Eingang zu einer Hölle sein (F. Rienecker, Lexikon zur Bibel, Stichwort Hinnom-Tal). Weiterhin machte man in den kultischen Büchern „4. Buch Esra“ und in den „Sibyllinischen Orakeln“ (beide um 100 n. Chr. entstanden) die Gehenna zu einem zukünftigen Strafort (siehe wikipedia). Jeder, der von einer Qualhölle redet und damit die Gehenna meint, sollte also wissen, dass er den Boden der Bibel verläßt und außerbiblische Geschichten verbreitet.

Um die Höllenvorstellung trotzdem zu rechtfertigen, wird gerne auf die Formulierung „Heulen und Zähneklappern“ (besser: Jammern und Zähneknirschen) verwiesen, die 7mal im NT auftaucht (wie in Mt. 8,12). Hier ist aber nicht von der Gehenna die Rede, sondern teils von Finsternis, die auf einem Feuerfriedhof nicht herrschen kann. Zudem wäre es eine verantwortungslose Verharmlosung von Zähneknirschen zu sprechen, würde Jesus hier vor den Qualen einer „Hölle“ warnen, die viele damit beschrieben sehen wollen. Richtig ist, dass Jesus mit verschiedenen Bildern vor der Alternative zum Leben im Königreich gewarnt hat. Diese Redeweise steht also für den Kummer und die Verzweiflung derer, die vom Königreich (im Bild: ein hell erleuchtetes Festbanquett) ausgeschlossen werden (im Bild: Dunkelheit außerhalb), ausgeführt in einigen Gleichnissen (Mt. 22,13; 25,30). Zähneknirschen und Jammern symbolisieren dabei Selbstvorwürfe.

Der Feuersee“ oder „Zweite Tod nach dem letzten Gericht in der Offenbarung (Kapitel 20:14) wird zwar nicht auch noch mit „Hölle“ übersetzt, aber doch oft damit inhaltlich gleichgesetzt, obwohl wieder ein völlig anderer Zusammenhang vorliegt. Es geht hier nicht mehr um das zu diesem Zeitpunkt bereits vergangene Königreich, sondern um das Leben auf der Neuen Erde.
Ein Feuersee wird noch an anderer Stelle erwähnt: Dort werden drei Wesen, das „wilde Tier, Satan und der falsche Prophet“ für die Äonen der Äonen gequält (d.h. zeitlich begrenzt, Offb. 20,10; oft aber übersetzt mit „Ewigkeit“). Nie ist jedoch davon die Rede, dass Menschen dort gequält werden.
Die Bibel berichtet also davon, dass nach dem Millennium (1000-jähriges Königreich, Offb. 20,6) alle, die nicht im Buch des Lebens stehen, für das Gericht auferstehen werden. Jeder wird dann entsprechend seiner Werke, also individuell, zurecht gebracht (Offb. 20,12). Danach wartet der „Feuersee“ auf sie (Offb. 20,15).
Dieser ist aber nach Meinung vieler grundtextnaher Ausleger nicht buchstäblich zu sehen, sondern als Bild (also Erklärung) für den zweiten Tod, denn es heißt in V.14: „Dies ist der zweite Tod: der See des Feuers“. Außerdem werden auch der Hades und der erste Tod in diesen Feuersee geworfen (Offb. 20,14) – also kann das Feuer nicht buchstäblich sein. Plausibel ist, dass es ein Symbol für die reinigende Präsenz Gottes ist; so spricht u.a. Heb. 12,29 davon, dass Gott selbst „verzehrendes Feuer“ ist, mit dem z.B. schlechte Werke verbrannt werden (vgl. 1. Kor. 3,15).
Klarer ist, dass der zweite Tod ein Ende haben wird. Er wird während des letzten Zeitabschnittes, der Neuen Himmel und der Neuen Erde, andauern (Offb. 21,8). Ist dieser letzte Äon aber abgeschlossen, hat sich auch die äonische Strafe nach Mt. 25,41 erfüllt, die leider oft mit der Fehlübersetzung „ewig“ ins Unendliche verlängert wurde. Der Apostel Paulus durfte weiter sehen als Johannes, der die Offenbarung verfasst hat: In 1. Kor. 15,26 schreibt Paulus, dass nach dem Abschluss aller Äonen auch der Tod, als letzter aller Feinde Gottes, aufgehoben wird. Da der erste von zwei Toden nicht der letzte ist, spricht Paulus also hier von dem zweiten Tod. So wird sich erfüllen, was Gott verheißen hat: „Demnach nun, wie es durch die eine Kränkung [Adams] für alle Menschen zur Verurteilung [zum Tod] kam, so kommt es auch durch den einen Rechtsspruch [durch Jesu Tod] für alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens“ (Rö. 5,18; 1. Kor. 15,22, Gal. 2,16).

Manchmal wird auch unter Tartarus eine Hölle verstanden. Der Begriff taucht nur einmal im NT auf (2. Petrus 2,4), und zwar als ein nicht weiter beschriebener Ort in dem Boten (Engel) bis zum Gericht aufbewahrt werden. Alles weitere ist Spekulation.

Interessant ist, wie der Begriff „Hölle“ und damit die Vorstellung davon überhaupt Einzug in die Bibel finden konnte. „Hölle“ entstammt dem Begriff „Hel“ (vgl. das engl. Hell), das etymologisch eigentlich verwandt ist mit bergen, verhüllen, Höhle, Hülse, Helm. In alten Bauernhäusern wurde mit „Hölle“ daher auch der enge, „verborgene“ Raum zwischen Kachelofen und Wand bezeichnet. Auch unscheinbare, schmale Gässchen erhielten diesen Namen (Straßenschild im Örtchen Almke):

Hoelle_AlmkeMit dieser Ursprungsbedeutung wäre es also eine angemessene Übersetzung von Hades (=Ungewahrtes, also Nicht-Wahrnehmbares), wenn der Begriff „Hölle“ nicht im Laufe der Zeit mit Horrorvorstellungen gefüllt worden wäre:
Hel“ ist auch der Name der skandinavischen Todesgöttin und ihres Reiches und wurde dann entgegen dem biblischen Hades zu einem Phantasieort, in dem Menschen nach dem Tod bei Bewußtsein sind und meist ohne Ziel brutal bestraft werden. Während die „Hölle“ in den skandinavischen Mythen noch ein kalter, eintöniger und frostiger Platz war, ist im Mithraskult des Römischen Reichs ist schon von Feuer in ihrer Hölle die Rede, mit dem die Sünder gequält werden. Die Drohung mit der Vorstellung einer Strafanstalt für ignorante Nichtmitglieder oder Unfolgsame der jeweiligen Religion lassen sich zurückverfolgen bis zu Vorstellungen der Vorzeit (1800 v.Chr.) lange vor der Entstehung der Christentums, wie dem Zoroastrismus, der ein Endgericht mit dem möglichen Ausgang einer „Hölle“ vorsieht („The History of Hell„, A. Turner, S.17). Die Führer fast aller Weltreligionen übernahmen dieses Konzept und schufen unterschiedlichste Varianten:
So gibt es im Hinduismus (ab 1500 v.Chr.) gleich mehrere Höllen, die einen Teil des unendlichen Zyklus der Seelenwanderung darstellen. Als Folge ihrer Handlungen werden die Sünder in der Hölle wieder geboren, wo sie so lange von Dämonen gepeinigt werden, bis ihre Sünden gesühnt sind und sie auf einer höheren Ebene wieder geboren werden.
Der Buddhismus übernahm in modifizierter Form die hinduistischen Vorstellungen von Wiedergeburt und Hölle. Nach der orthodoxen buddhistischen Kosmologie gehören zu den sechs „Bestimmungen” der sterblichen Existenz drei Bereiche, in denen diejenigen, die ein schlechtes Karma haben, wieder geboren werden: die „Bestimmung” der Hölle, die „Bestimmung” der hungrigen Geister und die „Bestimmung” der Krieg führenden Dämonen. Wie im Hinduismus, so dienen auch hier die Qualen, die die Sünder in den jeweiligen „Bestimmungen” erleiden, dazu, das Karma der Seelen zu reinigen und die Seele zu befreien, so dass sie auf höherer Ebene wieder geboren werden kann.
Im Islam wird die Hölle als Feuergrube gedacht, über die eine schmale Brücke in den Himmel führt. Alle Seelen der Toten müssen über diese Brücke gehen, und die Verdammten fallen in den Flammenabgrund hinunter, wenn sie nicht durch die Gnade Allahs erlöst werden.
Ins Judentum kam der Mythos Hölle durch außerbiblische Quellen, wie z.B. dem Buch Henoch.

Die unsäglich grausame Höllenlehre hat sich auch in der Folge als praktisches Mittel der Disziplinierung und Manipulation erwiesen, so die Reformation überlebt und findet sich gerade in den Glaubensbekenntnissen von „Frei“-kirchen. Viele haben sich so daran gewöhnt, dass man dieses Dogma, wie etwa die Spekulation der Trinität, als unerschütterliche Lehre der Bibel hält, die nicht in Frage gestellt werden darf. Vertreter der biblischen Allaussöhnung werden als Ketzer oder Irrlehrer beschimpft und oft sogar von diesen „christlichen“ Gruppen vertrieben.

Im Gegensatz zu all diesen Religionen kennt die Bibel den Horror einer endlosen Höllenqual natürlich nicht und unterstreicht damit ihre einzigartige Sonderstellung. Das, was unter einer endlosen Strafanstalt namens „Hölle“ verstanden wird, ist der Bibel völlig fremd und widerspricht krass dem biblischem Gottesbild. Jeder, der dieses Wort benutzt, muss wissen, dass er sich in der Tradition nichtbiblischer Mythen und Legenden bewegt.
Wird dieses bedrohliche, falsche Gottesbild dennoch verinnerlicht, kann dies auch die menschliche Psyche verformen oder eine Abwehrhaltung verursachen. Die Grundannahme, ob Gott eher mit Hoffnung und Liebe oder eher mit Strafe verbunden wird, schafft erhebliche Unterschiede. Psychiater stellen fest, dass die Betonung der Strafandrohung für sich oder für ungläubige Mitmenschen die Entstehung von Angst- und Zwangserkrankungen und Depressionen fördern kann [taz, 28.11.08, RTS].
Durch die gewaltsame Verpflanzung dieses Unwortes in frei auslegende Bibelübersetzungen ist dem Christentum also ein immenser Schaden entstanden, denn Gott wurde unglaubwürdig: Statt den Gott der Gnade und Liebe herauszustellen, wurde die Krampftheologie der ewigen Verdammnis entwickelt, mit einem kalten, unbarmherzigen Gott, der seine eigenen Geschöpfe unendlich lange quält.

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bema = Preisrichterbühne?

Im Neuen Testament ist das griechische „Bema“ ein Podium, ein erhöhter Platz, der im Fall von Jesus (Joh. 19,13) und Paulus (Apg. 25,6) der Ort des Richters war.

bema, "Preisrichterbühne"
bema, „Preisrichterbühne“

12mal kommt dieser Begriff vor, einmal auch als Bema Christi und einmal als Bema Gottes. Nur diesen beiden Fällen übersetzt das Konkordante NT mit „Preisrichterbühne“, sonst mit „Richterbühne“, wie es auch der sonstigen Verwendung entspricht. Leider hat man hier also das Prinzip verlassen, möglichst gleich zu übersetzen. Allerdings wurde nur der Wortbestandteil „bühne“ dick gedruckt, was deutlich macht, dass es sich nur bei diesem Teil um eine direkte Übersetzung handelt. Der vordere Teil „Preisrichter“ ist dünn gedruckt und somit als Zusatz erkennbar. Offensichtlich wurde das gemacht, um die Auslegung in eine bestimmte Richtung zu lenken:

Römer 14,10-11

Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder auch du, was verschmähst du deinen Bruder? Werden wir doch alle vor der Preisrichterbühne [gr. bema] Gottes dargestellt werden; denn es steht geschrieben: So wahr Ich lebe, spricht der Herr: Vor Mir wird jedes Knie sich beugen, und jede Zunge wird Gott huldigen.

Es geht hier um Mitchristen (Brüder), die entsprechend der Übersetzung vor der bema dargestellt werden. Deshalb wurde die Übersetzung „Richterbühne“, die sonst passend ist, abgeschwächt mit „Preisrichterbühne“, um einen offensichtlichen Widerspruch nicht aufkommen zu lassen. Fest steht nämlich: Gerichtet werden Gläubige nicht mehr (Römer 8,1; Joh.5,24). Es soll also vermittelt werden, dass nur „Preise“ verteilt werden, was im Text selbst allerdings nicht ausgesagt wird.

Wahrscheinlich liegt die Lösung woanders. Denn „Darstellen“, griechisch „paristemi“ (Strong G3936) kann aber auch mit „neben oder bei etwas stehen“ übersetzt werden. Klar ist: Vor der bema werden Menschen ihre Knie beugen. Dies kann aber nur Ungläubige betreffen, denn Christen haben längst ihre Knie gebeugt.

Treffender übersetzt wäre also, dass wir neben der bema stehen, vor der ausschließlich Ungläubige ihre Knie beugen werden (Phil.2,10). Wir würden also mitrichten.

Dies würde harmonieren mit 1.Kor. 6,1-3

Wagt es wohl jemand unter euch, der einen Rechtshandel mit einem anderen Bruder hat, vor den Ungerechten sein Recht zu suchen und nicht vor den Heiligen? Oder wisst ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden? Wenn nun die Welt von euch gerichtet wird, seid ihr dann etwa für so geringfügige Rechtssachen unzuständig? Wisst ihr nicht, dass wir Boten richten werden, geschweige denn Angelegenheiten des täglichen Lebens?

Hier geht es darum, dass  Christen untereinander ihren Rechtsstreit vor ungläubigen Richtern ausgetragen haben, statt Unrecht zu erleiden (V.7). Dann gibt Paulus ein Ausblick auf ein Richteramt, das Gläubige zukünftig ausfüllen werden. Sie werden die Welt und Boten (Engel) richten. Dies wird möglicherweise bei verschiedenen Gerichten der Fall sein, eines ist sicher das vor dem großen weißen Thron.

Ein weiteres Mal taucht die Übersetzung Preisrichterbühne, diesmal die des Christus in 2. Kor. 5,10 auf:

Denn wir alle müssen vorne vor der Preisrichterbühne [gr. bema] des Christus offenbar gemacht werden, damit ein jeder das wiederbekomme, was er durch den Körper verübte, sei es gut oder schlecht.

Auch diese Übersetzung ist nicht alternativlos. Übersetzbar ist auch, dass „alle zu uns hin offenbart werden müssen“ [*]. In diesem Fall wären die Gläubigen wieder mitrichtend und „alle“ wäre die Welt, der Kosmos aus 1.Kor.6,2. Mit Vers 11 ist sowieso ausgeschlossen, dass Gläubige vor der Preisrichterbühne Christus offenbart werden, denn Gott gegenüber sind wir es schon (Eph. 5,8ff).

Oft wird das Geschehen vor der bema mit dem Zurechtbringen von Gläubigen gleichgesetzt, wie es hier beschrieben ist. Dies paßt aus verschiedenen Gründen nicht. Beispielsweise ist es ein Unterschied, ob man das Schlechte „wiederbekommt“, wie vor der bema oder ob es hinweggenommen und vernichtet wird, wie es in 1. Kor. 3 beschrieben ist.

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aion

Das griechische Wort aion
Auszug aus „Theologsiches Begriffslexikon zum Neuen Testament, Studienausgabe Band 2, Theologischer Verlag R. Brockhaus Wuppertal, 1977, Seite 1457 ff.

aion bedeutet Äon, Lebenszeit, Weltzeit, lange Zeit, Ewigkeit

Das griech. Wort aion unterscheidet sich von seinen indogerm. Parallelen (lat. aevum, deutsch ewig) dadurch, dass es nicht so sehr von einer abstrakten Zeitdauer, sondern von einer gelebten Zeit her gedacht ist…

Dass aion in der LXX (= Septuaginta, das ist die älteste griech. Übersetzung des AT, die im 3. Jh. v. Chr. auf der Insel Pharos 72 Schriftgelehrte herstellten, Anm. des Webmasters) in über 450 Belegen, davon über 100 in den Psalmen, zum Äquivalent für das hebr. olam=Dauer, Ewigkeit, wurde, liegt an der Ausgangsbedeutung Lebenszeit.

In allen Fällen ist ein auf das ganze Leben ausgedehntes, aber auch auf dieses beschränktes Geschehen gemeint, auch dann, wenn es sich um Verheißung lebenslanges Königtums (1. Sam 13,13), um Vertrauen des Volkes zu Mose, solange er lebt (Ex. 19,9), oder um lebenslängliches Vasallenverhältnis (1. Sam 27,12) handelt. Ganz selbstverständlich hört all dies mit dem Tode dessen auf, von dem es gesagt wird.

Das gilt natürlich auch dann, wenn solche Aussagen nicht von einem Einzelmenschen, sondern von Generationen (Ex 40,15; 32,13 u.a.) oder dem ganzen Volk gemacht werden (Jos 4,7; Ri 2,1). Mit dem Untergang dieser Größen ist auch die hier gemeinte Zeit beendet…

An dieser Stelle ergibt sich die einfachste der denkbaren Erklärungsmöglichkeiten für die sog. Ewigkeitsformeln: „Gelobt sei Jahwe, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (1Chr 16,36 u.a.). Israel wird zu stetigem Dank und Lob aufgerufen; die Dauer des Lobes ist also gebunden an die Dauer des Volkes in seinen Generationen. Und tatsächlich stehen in V.15 auch „ewig“ und „auf tausend Geschlechter“ im Parallelismus. So erhält die Formel „von Ewigkeit zu Ewigkeit “ ihren wahren Sinn zurück, da es auch in ihr nicht um eine abstrakt und unendlich gedachte Ewigkeit an sich, sondern um das lebendig lobende Gegenüber zu Gott geht. Zeigt doch 1Sam 2,30 mmit 3,13f. deutlich genug, das Gottes ewige Zusagen nie eine abstrakte Unwandelbarkeit, sondern eine gegenseitige Zugehörigkeit mit dem Menschen zum Inhalt haben: Solange sie intakt ist, ist sie ewig, sie kann nicht zerbrechen.

Auch die großen Verheißungen, die für ewig gesetzt sind, sind nicht einfach zeitlos und unverrückbar gültig, sondern bleiben an den lebendigen Bezug zum lebendigen Gott gebunden (1.Kö 9: Ewigkeit des Tempels an Gottes lebendige Anwesenheit gebunden; 2.Sam 7: die Ewigkeit des Königtums).

Im NT findet sich das Substantiv aion in folgenden Bedeutungen:

a) lange Zeit, Zeitdauer

b) Weltzeit, Weltdauer (z.B. Mt 13,39; 28,20) Auch die Weltgeschichte, Ablauf des Weltgeschehens, auch im Plural als Reihe aufeinanderfolgender Äonen (Hebr 9,26; 1Kor 10,11 u.a.).

Zuweilen liegt die Bedeutung Welt im räumlichen Sinn vor.

Überschaut man den Gebrauch des Wortes aion, Äon, und die damit verbundene Eschatologie, so kann man feststellen, dass das NT von der Ewigkeit in den Kategorien der Zeit spricht.

Der Ausdruck „zukünftiger Äon“ wid nur mit größter Zurückhaltung gebraucht. Das Kommende ist nur relevant im Blick auf die jeweilige Gegenwart. Bewusste Zurückhaltung vor Geschehnissen, die zu wissen verwehrt ist (1Thess 5,1ff; Mt 24,37ff); keine Spekulationen über den Zustand und den Zeitpunkt des kommenden Äon.

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ethnos = Heiden?

Luther hat das griechische „ethnos“ unterschiedlich übersetzt: 1mal Geschlecht, 1mal Grieche, 116mal Heiden, 2mal heidnisch, 2mal Leute, 1mal Mensch, 33mal Volk, 3mal weltlich. Insbesondere die Übersetzung mit „Heiden“ führt in die Irre, denn mit ethnos werden keineswegs Ungläubige gemeint. An einigen Stellen wird besonders deutlich, dass durchaus auch Gläubige mit ethnos angesprochen werden, bzw. der Begriff ganz neutral benutzt wird (dort dann von Luther inkonsequenterweise mit „Völker“ übersetzt, siehe Römer 1,13, Offb. 5,9; 7,9 usw.). Die konkordante Methode nun benutzt diese Stellen, an denen der Begriff sozusagen definiert wird, um diese Bedeutung in anderen Versen ebenfalls einzusetzen.
Durch einen derartigen Vergleich aller Vorkommen kann für ethnos dann folgende Definition (Stichwortkonkordanz KNT S.535) gefunden werden: eine Gemeinschaft, durch gemeinsame Regierung und gemeinsames Vaterland geeinigt. In der Einzahl bezeichnet es gewöhnlich die jüdische Nation (Lk 7,5). In der Mehrzahl stehen die Nationen im Gegensatz zu Israel. Für ethnos wurde daher der Begriff Nationen verwendet (auch zum großen Teil in der Elberfelder Übersetzung).
Volk steht dagegen mehr für Blutsverwandtschaft, Zunge vereinigt durch eine gemeinsame Sprache, Stamm bezeichnet eine engere Gemeinschaft von gleicher Abkunft, weiter als Familie, während Schar eine unorganisierte, beziehungslose, an einen Ort zusammengedrängte Menge bedeutet.
Die Bibel sieht so als Empfänger der Briefe zwei gleichrangige Gruppen von Auserwählten: aus der Nation Israel und aus allen Nationen. Durch die diskordante fallweise Übersetzung von ethnos mit Heiden (also Ungläubige) statt des richtigen Begriffs „Nationen“ wird das Erkennen dieses Sachverhalts erschwert.
Der Begriff Heiden ist angeblich entstanden, weil bei der Ausbreitung der römischen Staatskirche Heidebewohner (also „Heiden“), bzw. Landbewohner (lat. paganus) zuletzt erreicht wurden. Mit Heiden sind Nichtchristen oder Ungläubige gemeint. Das griechische „ethnos“ sagt dagegen etwas völlig anderes aus. Hier liegt also eine klare Fehlübersetzung vor.

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Gott = El = Eloah = Elohim = Jewe?

Der griechische Titel „theos“ (Gott)

„Mein Herr und mein Gott!“, sagt der „ungläubige Thomas“ zu Jesus in Joh. 20,28, als er Ihn als seinen Herrn anerkennt. Jesus als Herrscher auf dem Thron wird Gott genannt (Heb. 1,8), ebenso wie Herodes (Ap. 12,22), als er als König eine machtvolle Rede hält und Paulus (Ap. 28,6), als durch ihn ein Wunder gewirkt wurde. Unser himmlischer Vater ist aber als einziger der Gott aller (Eph. 4,6; 1. Kor. 8,4). Was bedeutet also „Gott“? Es ist ein Titel, es bezeichnet etwas oder jemand, dem man sich unterordnet. Könige und Kaiser (übrigens auch Titel) werden deswegen göttlich genannt. Ein Holzstück kann ein Gott sein (Jes. 44,15) oder gar der eigene Körper (Phil. 3,19).
„Theos“, das griechische Wort für Gott, entstammt dem Verb „theo“, platzieren. „Theos“ ist also wörtlich ein Platzierer, ein Unterordner (S. Zodhiates, S.909; KNT, S.469). Im NT kommt es daher auf den Kontext an, um zu erkennen, wer damit gemeint ist.

Die hebräischen Titel El, Eloah und Elohim

Im hebräischen AT wird das deutlicher: „El“ (Al) ist der absolute Gott. „Ich bin Al und keiner sonst“ (Jes. 45,22). Der Wortstamm Al bedeutet „zu hin“ und beschreibt die Haupttätigkeit Gottes, nämlich die des Unterordnens, es ist der Titel des Allerhöchsten (1. Mose 14,18-20, 1. Kor. 15,28).
„Eloah“ (Alue) ist wörtlich jemand, der auf El ausgerichtet ist. „Alle Rede Eloahs ist geläutert“ (Sprüche 30,5): Das ist Jesus Christus, „das Wort“ (Joh.1,1), das zu El ausgerichtet ist.
Die Mehrzahl lautet „Elohim“ (Alueim): die zu Al hin Unterordnenden. Das können auch Menschen sein, die von El mit besonderen Vollmachten ausgestatten wurden, aber sich El unterordnen. Menschen aus Israel werden Elohim genannt, weil ihnen Vollmacht über andere gegeben wurde (Ps. 82,8; Joh. 10,34), z.B. Richter (2. Mose 21,6) oder Mose (2. Mose 4,16). Mose wurde dem Pharao zum Gott gesetzt (2.Mose 7,1). Elohim wird allerdings meist benutzt, um auszudrücken, dass der Geist der Gottheit (El) in und durch Seinen Sohn (Eloah bzw. Alue) wirkt. Elohim ist deshalb der Schöpfer (1. Mose 1), denn durch Jesus Christus wurde das All erschaffen (Joh. 1,3).

Jewe, Jesus, Christus

Wörtlich übersetzt bedeutet Jewe (JHWH, IEUE: hebr. Tetragramm unpunktiert, statt Jahwe oder Jehova) „wird da sein, ist da, war da“; die drei Zeitformen von „sein“ (2. Mose 3,14; Off. 1,4ff). Dieser Name ist also zeitbezogen und drückt das Dasein, Wirken und Verursachen Els in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aus. Durch wen schuf El die Welt, redet El zu Menschen, wirkt El? Durch Seinen Sohn (1. Kor. 8,6; 1. Tim. 2,5), denn der Vater selbst ist Geist (Joh. 4,24), niemand hat ihn jemals gehört oder gesehen (Joh 5,37)! Auch die Kombination „Jewe Elohim“ bezeichnet fast ausschließlich den Sohn, der im NT Jesus genannt werden sollte (Mt. 1,25). In der griechischen Übersetzung des AT (Septuaginta LXX) wurde Jewe meist mit „kyrios“ (Herr) übersetzt. Auch im NT sonst wird Jesus oft mit Herr angesprochen: unser Herr Jesus Christus (wie in Phil. 1,2), denn Jesus Christus wurde von Seinem Vater zum Herrn über alle eingesetzt (Ap. 10,36). Als „Herr“ (Jahwe) ist Christus das „Bild des unsichtbaren Gottes“ (2.Kor. 4,4f). Im AT wurde dafür der Titel Adonai verwendet, d.h. „mein Herr“. Als ein Titel Christi bezieht er sich auf die Dienstverpflichtung seinem Vater gegenüber.
Jesus ist die griechische Form des hebräischen Jehoshua, der Verbindung aus „Jewe“ und „Hoshea“ (Rettung, Heil). Jesus bedeutet also heb. „Jewe-Retter“ und war der Name des Sohnes vor allem im Zustand Seiner Erniedrigung auf der Erde bis zur Kreuzigung und Auferstehung, durch die alle Menschen erettet wurden (1.Tim. 4,10; Joh. 3,17 u.a.). Der Name Jesus war ein Versprechen, das eingelöst wurde.
Christus (Christos) dagegen entspricht dem hebräischen Messias (Gesalbter), ein Titel angewandt auf Priester, Könige und Propheten nach ihrer Amtsweihung mit Öl. Besonders gebraucht von Christus, der über Seine Gefährten erhaben ist (Heb. 1,9). Der Titel Christus weist auf die Würden und Ämter und auf Seine Erhöhung nach der Auferstehung hin.

So beinhaltet auch die Reihenfolge der Kombination „Jesus Christus“ oder „Christus Jesus“ eine Aussage, die auch in Übersetzungen erhalten bleiben sollte. Fehldeutungen gar (z.B. „Trinität“) entstehen, wenn die Titel Gottes und Seines Sohnes synonym verwendet werden. Gefördert wird dies durch diskordante Übersetzungen, die unterschiedliche Titel schlicht mit „Gott“ übersetzen und somit die Unterschiede nicht mehr erkennen lassen.

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Engel oder Boten?

Das eingedeutschte Lehnwort für das griechische „aggelos“ ist „Engel“, die traditionelle Übersetzung. Unter Engel im theologischen Sprachgebrauch verstehen wir heute überhimmlische Wesen, die in der Kunst phantasievoll dargestellt werden (niedlich pausbäckig, graziös mit Flügeln usw.). Durch die Analyse der Wortverwendung in der Bibel fällt auf, das auch normale Menschen die Bezeichnung tragen (Mt. 11,10 Johannes der Täufer; Lk. 9,52 die Jünger Jesu; Ja 2,25 Kundschafter). Das griechische Wort bedeutet ja auch ursprünglich nichts anderes als Bote. Das Verb „aggelo“ bedeutet verkünden, Botschaft bringen. Aggelos ist also nichts weiter als eine Dienstbezeichung. Somit wurde für „aggelos“ durchgängig „Bote“ verwendet. Den Begriff Engel in der Bibel nicht wiederzufinden, ist sicherlich ungewohnt, aber dient der besseren Verständlichkeit (und wirkt nebenbei einem Kitschchristentum entgegen).

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Die Bedeutung des Begriffs „tohu wa bohu“

Möchte man die Bedeutung eines Begriffs in der Bibel finden, so ist es entsprechend der konkordanten Methode sinnvoll, alle Vorkommen zu analysieren und zu sehen, welche Bedeutung an allen oder wenigstens den meisten Stellen paßt. Dies wird hier mit der Elberflelder-Übersetzung getan, um die Bedeutung des Begriffs „tohu wa bohu“ in 1. Mose 1,2 zu finden:

1.Mose 1,2 Und die Erde war tohu (lebensfeindlich, wüst) und bohu (geistig leer, d.h. ohne Lebewesen), und Finsternis war über der Urflut, und der Geist Gottes brütete über der Fläche der Wasser.

5.Mose 32,10 Gott fand Jakob (also das Volk Israel) in der Wüste und in der Öde (tohu), im Geheul der Wildnis. Er umgab ihn, gab acht auf ihn, er behütete ihn wie seinen Augapfel. Wie der Adler sein Nest aufstört, über seinen Jungen schwebt, seine Flügel ausbreitet, sie aufnimmt, sie trägt auf seinen Schwingen, so leitete ihn der HERR …

1.Samuel 12,21 (2x) Und weicht nicht ab und folgt nicht den nichtigen (tohu) (Götzen) nach, die nichts nützen und nicht erretten können, weil sie nichtig (tohu) sind!

 Hiob 6,18 Zur Zeit, wenn sie (die trügerischen Bäche) wasserarm werden, versiegen sie … Es werden Karawanen abgelenkt von ihrem Weg, ziehen hinauf in die Öde (tohu: Leere) und kommen um.

 Hiob 12,24 Den Häuptern des Volkes im Land nimmt er den Mut, und in wegloser Einöde (tohu) lässt er sie umherirren.

 Hiob 26,7 Gott spannt den Norden aus über der Leere (tohu), hängt die Erde auf über dem Nichts.

 Psalm 107,40 Und sie wurden wenig und beugten sich unter der Last von Unglück und Jammer. Er schüttete Verachtung auf Edle, er ließ sie umherirren in wegloser Einöde (tohu).

 Jesaja 24,10 Darum hat der Fluch die Erde verzehrt, und es büßen, die auf ihr wohnen. Darum sind die Bewohner der Erde dahingeschwunden, und wenig Menschen bleiben übrig. … Zertrümmert ist die öde (tohu) Stadt, verschlossen jedes Haus, so dass niemand hineinkommt.

Jesaja 29,21 Und ausgerottet werden alle, die auf Unheil bedacht sind, die den Menschen in einer Rechtssache schuldig sprechen und dem Schlingen legen, der im Tor über Recht und Unrecht entscheidet, und mit nichtigen (tohu) (Beweisgründen) den Gerechten aus seinem Recht verdrängen.

Jesaja 34,11 Denn einen Tag der Rache hat der HERR, ein Jahr der Vergeltungen für die Rechtssache Zions. Und Edoms Bäche verwandeln sich in Pech und sein Boden in Schwefel; und sein Land wird zu brennendem Pech. Tag und Nacht erlischt es nicht, ewig steigt sein Rauch empor. Von Generation zu Generation liegt es in Trümmern, für immer und ewig zieht niemand hindurch. … Und er spannt darüber die Messschnur der Öde (tohu) und das Senkblei der Leere (bohu: geistigen Leere, keine Lebewesen mehr)und alle seine Obersten nehmen ein Ende.

Jesaja 40,17 Alle Nationen sind wie nichts vor ihm und gelten ihm als nichtig und leer (tohu).

 Jesaja 40,23 Gott ist es, der da thront über dem Kreis der Erde, dass ihre Bewohner wie Heuschrecken erscheinen …, der die Fürsten dem Nichts anheim gibt, die Richter der Erde der Nichtigkeit (tohu) gleichmacht.

Jesaja 41,29 Und ich sehe hin, doch da ist niemand, und unter diesen da ist kein Ratgeber, dass ich sie fragen könnte und sie mir Antwort geben. Siehe, sie alle sind Betrug. Nichtigkeit sind ihre Machwerke, Wind und Leere (tohu) ihre gegossenen Bilder.

Jesaja 44,9 Die Bildner von Götterbildern sind allesamt nichtig (tohu), und ihre Lieblinge nützen nichts.

Jesaja 45,18f Ihr werdet nicht zu Schanden und nicht zunichte werden in alle Ewigkeiten. Denn so spricht der HERR, der die Himmel geschaffen hat – er ist Gott, der die Erde gebildet und sie gemacht hat – er hat sie gegründet, nicht als eine Öde (tohu) hat er sie geschaffen, sondern zum Bewohnen hat er sie gebildet. Ich sprach zu den Nachkommen Jakobs nicht: Sucht mich vergeblich (in tohu: geistlicher Leere). Ich bin der HERR, der Gerechtigkeit redet, Wahrheit verkündet.

Jesaja 49,4 Ich aber sagte: Umsonst habe ich mich abgemüht, vergeblich und für nichts (tohu) meine Kraft verbraucht. Doch mein Recht ist bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott.

Jesaja 59,4 Niemand lädt vor in Gerechtigkeit, und niemand tritt vor Gericht in Wahrhaftigkeit. (Sondern bei euch gilt dies:) Auf Leeres (tohu: geistlich Leeres) vertrauen, Gehaltloses reden, mit Mühsal schwanger gehen, Unrecht zeugen.

Jeremia 4,23 Denn mein Volk ist närrisch, mich kennen sie nicht. Törichte Kinder sind sie und unverständig. Weise sind sie, Böses zu tun; aber Gutes zu tun verstehen sie nicht. Ich schaue die Erde, und siehe, sie ist tohu wa bohu, (materiell und geistig leer, d.h. ohne Lebewesen, wie nachfolgend beschrieben) – und zum Himmel, und sein Licht ist nicht da. Ich schaue die Berge, und siehe, sie beben; und alle Hügel schwanken. Ich schaue, und siehe, kein Mensch ist da; und alle Vögel des Himmels sind entflohen. … Öde soll das ganze Land werden; doch will ich nicht ein Ende mit ihm machen. Darum wird die Erde trauern, und der Himmel oben schwarz werden.

Siehe auch: Vorkommen und Definition im Nachschlagewerk „Blue Letter Bible“ (engl.) von „tohu (Strong’s H8414)“ und „bohu (Strong’s H922)“.

Ergebnis

  • Tohu wurde zwar fallweise mit Leere, Nichtigkeit, wüst, öde übersetzt, aber mit der gemeinsamen Bedeutung Leere bzw. lebensfeindliche Umgebung. 
  • Diese Bedeutung wird bildlich auch im geistlichen Sinn verwendet, um insbesondere die Unkenntnis des einen Gottes auszudrücken. Menschen, die Gott nicht kennen, leben in geistlicher Leere und Verwirrung, in einem Zustand des tohu. Auffallend oft ist auch symbolisch von physisch Lebensbedrohendem die Rede, wie lebensfeindlicher Wüste, Verirrungen in der Wildnis und Ausweglosigkeit.
  • bohu kommt in der Bibel nur dreimal und dann nur in der Kombination mit tohu vor, d.h. die Bedeutung von bohu kann nicht eigenständig aus der Bibel selbst ermittelt werden, sondern nur als Steigerung von tohu gesehen werden , im Sinn einer geistigen Leere (d.h. es sind nicht einmal Lebewesen da, die Gott erkennen könnten).
  • Die Übersetzung mit (materiellem) „Chaos“, Ver“wüst“ung oder „Zerstörung“ für tohu, wie von einigen Übersetzern insbesondere für 1. Mose 1,2 vorgeschlagen (teilweise um die Vorstellung einer Vorschöpfung mit anschließendem Gericht zu begründen), ist diskordant.
  • 1. Mose 1,2 spricht also mit dem Begriff „tohu wa bohu“ nicht nur von einer physischen Leere und schon gar nicht dem Ergebnis einer materiellen Zerstörung, sondern davon, dass die Erde noch ungeformt (wüst), also lebensfeindlich war und daher auch noch kein Lebewesen existierten konnte, das Gott kannte. „Tohu wa bohu“ ist also die Beschreibung eines Zustands, in dem Gott noch kein Gegenüber hatte. Diesen Zustand zu ändern, hat sich Gott aber zum Ziel gesetzt, indem er die Erde mit Menschen bevölkerte (Beendigung geistiger Leere, bohu) und sie so führen wird, dass sie auch geistlich nicht mehr leer sein werden (Jes. 45,18), sondern alles („ta panta“) mit Gottes Geist gefüllt sein wird (Kol. 1,20). 1. Mose 1,2 schildert also den wenig überraschenden Ausgangszustand der doppelten Leere, bevor Elohim die Schöpfung mit der Schaffung einer lebensermöglichenden Umgebung für Pflanzen, Tiere und Menschen fortsetzte. Es wird also betont, dass zu Anfang Gott nichts in niemandem war (tohu wa bohu) und am Ende alles in allen sein wird (1. Kor. 15,28). Somit ist Anfang und Ziel des gesamten Wirken Gottes zusammengefasst. Sollte das nicht auch für uns ein Grund zu jubeln sein, wie es schon die Söhne Gottes taten (Hiob 38,7)?
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